Dienstag, 22. September 2015

Sagredo - Alexander Drews







Klappentext:
Der junge Botaniker Ilja kommt wegen eines Forschungsauftrages seiner Universität in die abgelegene kastilische Bergstadt Sagredo, wo er die quirlige Studentin Marisol kennenlernt. Sie überredet ihn, gemeinsam mit ihr ein seit Jahren leerstehendes Haus zu erkunden. In der Ruine finden die Zwei ein altes Tagebuch, das in den 70er Jahren von einer jungen Frau geschrieben wurde und plötzlich abbricht. Neugierig versuchen die beiden, mehr über die Verfasserin herauszufinden, stoßen jedoch auf eine Mauer des Schweigens. Niemand will Chilla Campuestas gekannt haben, obwohl sie seit ihrer Geburt in Sagredo gelebt hatte.
Als es unter den Einwohnern Sagredos zu mysteriösen Todesfällen kommt, erkennen Ilja und Marisol, dass sie einem furchtbaren Geheimnis auf der Spur sind, welches die Stadt noch immer im Griff hat - und dass sie nur dann eine Chance haben, dem Wahnsinn zu entkommen, wenn es ihnen rechtzeitig gelingt, die Schatten der Vergangenheit zu vertreiben ...

Alexander Drews war mit zuvor als Autor nicht bekannt. Vor kurzem durfte ich aber seinen neuen Roman lesen, der in absehbarer Zeit bei Amrûn erscheinen wird. Dadurch wurde meine Neugier geschürt, und ich wollte unbedingt wissen, was dieser Autor zuvor veröffentlicht hat.
Dabei stieß ich auf seinen Roman „Sagredo“, welcher von Begedia verlegt wurde.

Inzwischen weiß ich, dass Alexander Drews ein Faible für Spanien und somit für die spanische Geschichte hat. So werden in seinen Romanen die Traditionen, die Politik (die Diktatur Francos) und die Mentalität Spaniens zu lesenswerten Erzählungen verarbeitet, die abseits des Mainstreams auf ganz eigene Weise hervorstechen.

Mit einem angenehmen, nicht ins Alberne abdriftenden Schuss Humor zieht Herr Drews seine Leser direkt ins Geschehen hinein und lässt diese auch bis zum Schluss nicht mehr los.

Aus einem kleinen Abenteuer wird ein großes Geheimnis, aus dem wiederum schleichend ein Abgrund wird, welcher letztlich in einem phantastisch anmutenden Finale gipfelt.

Keine Frage, ich mag diese Kombination aus Geschichte und Spannung. Deswegen hatte ich „Sagedo“ während meines Urlaubs auch an einem einzigen Strandtag restlos aufgefressen.

Fazit:
„Sagredo“ besticht durch lebendige Figuren, große Geheimnisse, fesselnde Spannung und einen guten Schuss spanischer Geschichte. Kein Reißer im „Action-Kracher-Sinn“, kein Splatter, kein Ferkelkram, aber dennoch ausgesprochen unterhaltsam.

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Die Schuld der Engel - L.C. Frey




Klappentext:
Der Leipziger Kommissar Karl Sauer hat Grund zur Freude: Wenige Tage vor seiner Pensionierung gelingt es ihm, seinen letzten Fall in Rekordzeit zu lösen. Doch im Urlaub kommen Sauer Zweifel, und er rollt den brutalen Mord an einem Leipziger Anwalt nochmals auf. Aber damit geraten Sauer und seine junge Kollegin Selina Gülek ins Visier eines eiskalten Psychokillers.
Mit „Schuld der Engel“ von L.C. Frey breche ich erneut mit meiner eigenen Regel: Keine Krimis. Komme, was da wolle, ich lese keine Krimis.

Hin und wieder gibt es aber sogenannte Ausnahme-Autoren, die mich zuvor bereits mit anderen Werken begeistern konnten. In diesem Fall verschlang ich bereits die „Jake Sloburn-Reihe“, „Das Geheimnis von Barton Hall“ und „Draakk“ von L.C. Frey. Da dachte ich, ein Krimi würde mich schon nicht umbringen.

Ich gebe zu, dass ich vermutlich aufgrund dieser Einstellung bereits mit „langen Zähnen“ an die Lektüre herangetreten bin. So tat ich mich zu Anfang etwas schwer und brauchte einige Seiten, um „hineinzukommen“.

Gerade Karl Sauer ging mir auf den ersten Metern mächtig auf den Senkel. Ich empfand ihn als unsympathisch, klischeebehaftet und hätte ihn aufgrund seiner noch klischeebehafteteren Sprüche anfangs am liebsten gegen die sprichwörtliche Wand geklatscht.

Ja, ich tat mich wirklich schwer.

Da ich den Autor aber kenne und genau weiß, was er kann, übte ich mich in Geduld, die schließlich auch belohnt wurde. Er schafft es nämlich irgendwie still und heimlich, diese anfängliche Antipathie in widerstrebende Sympathie umzuwandeln. Man merkt es nicht einmal so richtig, aber irgendwann stellt man fest, dass man Karl Sauer absolut cool findet, ob man will oder nicht. Es passiert einfach, und man kann rein gar nichts dagegen tun.

Auf dieselbe hinterhältige Weise wurde ein Psychopath erschaffen, dessen Abgründe sich so absurd wir spannend gestalten. Man möchte bestimmte Fakten hinterfragen, kann man aber nicht, weil Psychopathen sich schlicht nicht natürlichen Gesetzen unterwerfen. Gerade diese Tatsache wurde m.E. hier gut herausgearbeitet.

Bei L.C. Frey sollte man auf eben auf alles gefasst sein. Dies hat „Schuld der Engel“ in vollem Umfang bewiesen.
Insgesamt hatte ich dann doch noch meinen Spaß, sodass ich diesen Roman gerne weiterempfehle.

Fazit:
„Die „Schuld der Engel“ konnte mich nach einem nicht ganz so fesselnden Anfang schließlich doch noch ans Buch binden. Mit einem guten Händchen für Charaktere und Spannungsaufbau gelang L.C. Frey ein packender Thriller mit „unfreiwillig“ sympathischen Charakteren.

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Nomaden - Michael Schreckenberg




Klappentext:

„Wir hatten die Autobahn schon bei Montabaur verlassen (...) und fuhren nun auf langen, geraden Landstraßen, die links und rechts von Wald gesäumt waren. Laub und Geäst lag auf der einstigen Fahrbahn, das Unterholz an den Rändern war hoch, und überall bahnten sich Pflanzen ihren Weg durch kleinste Durchlässe im Asphalt. Mit unseren brüllenden Motoren waren wir Störenfriede in einer Stille, die wahr und richtig schien. Die Welt hatte begonnen, uns zu vergessen, und es schien mir fast obszön, dass wir uns mit solchem Lärm in Erinnerung brachten.“ Das neue Endzeit-Abenteuer aus der Welt des Erfolgsromans „Der Finder“ erzählt die Abenteuer der Überlebenden, die seinerzeit mit Autos und Motorrädern auf die Reise durch eine leere Welt gingen, nachdem von jetzt auf gleich alle Menschen verschwunden waren. Viel mehr als eine Fortsetzung: Eine ganz eigene, mitreißende Endzeit-Geschichte.

So, seitdem ich vor Jahren durch Krimi & Co. auf „Der Finder“ von Michael Schreckenberg aufmerksam gemacht wurde, bin ich ein Fan dieses Autors.

Schon immer stand ich auf gelungene Endzeit-Szenarien, und „Der Finder“ hatte mich sowohl beeindruckt als auch bestens unterhalten.

Nach langer Zeit des Ausharrens wurde ich schließlich mit einer Fortsetzung belohnt, die mich exakt so begeistern konnte, wie ich es erwartet hatte.

Wieder befinden wir uns in derselben verlassenen Welt, in der sich auch damals schon ein mageres Resttrüppchen Überlebender behaupten musste.

Nun ist es aber nicht so, dass wir diese Gruppe bei weiteren Abenteuern begleiten. Vielmehr gab es „damals“ im ersten Teil eine Spaltung unter den Pionieren der neuen Welt.
„Der Finder“ begleitete einen Teil der Truppe, die sich dazu entschlossen hatte, auf vorhandene Bequemlichkeiten zu verzichten. Nur mit dem, was die Natur und die eigenen Hände erschaffen konnten, sollte eine neue Zivilisation aufgebaut werden.

Die andere Gruppe wollte vorhandene Ressourcen und Vorräte nutzen, um überleben zu können. Um genau diese Menschen geht es in „Nomaden“.
Folglich würde ich diesen Roman auch nicht als Fortsetzung, sondern als Parallel-Erzählung bezeichnen, ein Fakt, der mitunter sogar bemängelt wurde, was mir völlig schleierhaft ist, weil dies im Vorfeld nie ein großes Geheimnis war. Auch hier gilt praktisch: Vor dem Motzen einfach mal informieren. So könnte man falsche Erwartungen gleich im Keim ersticken.
Ich habe exakt das bekommen, was ich erwartet hatte. Schließlich hatte ich mich im ersten Teil schon gefragt, was wohl aus den anderen Menschen geworden sein könnte.

Außerdem stehe ich total auf diese Erkundungstouren in verlassenen Welten. Auch in „Nomaden“ bleibt der Autor wieder „regional“, sodass man gewohnte bzw. bekannte Umgebungen mal auf ganz andere Weise präsentiert bekommt.

Insgesamt bin ich auch dem Schreibstil sehr zugetan. Sowohl dramatische als auch ruhige Szenen wurden anschaulich und unterhaltsam erzählt. Wobei die ruhigeren Parts wegen der allgegenwärtigen Gefahr (die Kreischer, ihr erinnert euch?) schon mal recht gruselig und spannend daherkommen. Natürlich ziehen die Menschen nicht nur sinnlos durch die Gegend, um zu plündern und sich zu versorgen. Vielmehr entwickeln sie sich miteinander und zum Teil auch gegeneinander, sodass unser altbekanntes Apokalypse-Problem nicht das einzige Problem darstellt.

Und dann hätten wir da noch den Ich-Erzähler, meine Lieblingsperspektive.

„Nomaden“ besticht nicht nur durch seine facettenreichen Charaktere in einer atemberaubenden und doch toten Welt, sondern hauptsächlich durch Michael Schreckenbergs unanfechtbares Können, diese Geschichte so zu erzählen, dass es einem die Bettschühchen auszieht. Grandios erzählt!

Einziger Meckerpunkt, der aber nur die Print-Leser betrifft: Die Schrift war mir ein wenig zu winzig. Ohne Lesebrille hatte ich keine Chance. Aber okay, bei über 500 Seiten muss der Verlag halt schauen, dass das Buch nicht zum Ziegelstein wird.

Fazit:
„Nomaden“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger zu „Der Finder“. Großes Endzeit-Kino mit Tiefe und Mitzitter-Garantie. Ich habe es sehr genossen.

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Chaska - Tochter aus dem Eis - John Aysa


Klappentext:
Ein Fantasyepos vom Autor der berüchtigten "Prinzessin" Romane: Chaska lebt wohl behütet mit ihrer Mutter im rauen Norden der Eysen, abgeschottet vom Rest der Welt. Als die geplante Reise in die Länder des Südens vorzeitig zu einer wilden Flucht gerät, wird das Leben des Mädchens komplett auf den Kopf gestellt. In der Fremde sieht sie sich gezwungen, Demütigung und Ächtung auf sich zu nehmen. In der Zwischenzeit wächst eine von grenzenlosem Wahnsinn getriebene Bedrohung heran, die das Antlitz der Länder auf alle Zeiten zum Schlechteren ändern kann. Das Reich der Kriegerfrauen sieht sich den ersten Ausläufern des Unheils gegenüber. Wie der Rest der Welt wissen auch die Kämpferinnen nichts von der gottgleichen Macht im Hintergrund, die darangeht, einzugreifen. Chaska, die mit allen Mitteln darum kämpft, eine Kriegerin der Fünf Ringe zu werden, um ihr angestrebtes Ziel zu erreichen, muss erkennen, dass sie weit mehr Geld braucht, als sie hat. Der Weg, den sie beschreitet, um es zu erlangen, führt direkt ins Desaster.

John Aysa goes FANTASY! Krass, oder?

Diese Tatsache beförderte zuallererst eine meiner Augenbrauen in die Höhe. Nach allem, was Aysas „Prinzessin“ mir angetan hatte, konnte ich mir nur schwer vorstellen, dass dieses Genre in irgendeiner Form aysafiziert werden könnte.

Konnte es aber.

Nun gut, man wird nicht gleich auf der ersten Seite mit haufenweise Dreck beworfen. Dafür aber gleich eine Seite weiter. Smileys machen sich ja bekanntlich in Rezensionen nicht so gut, also verkneife ich mir an dieser Stelle einen.
Tatsächlich ist es so, dass unsere Heldin Chaska erst einmal aufwachsen muss, bevor sie uns She-like mit Blut und Gedärm überhäufen kann. Das heißt aber nicht, dass alle anderen Gestalten in diesem Roman dies nicht können.
Da „Chaska“ laut Aussage seitens des Autors aus demselben Universum wie „She“ stammt, dürfen wir uns auch hier an John Aysas satter, testosterongetränkter Schreibe erfreuen. Das Reich der Kriegerfrauen, in dem Chaska sich beweisen und entwickeln muss, ist ein hartes Pflaster. Auch dort wird kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum geht, die Dinge beim Namen zu nennen.

Kleines Zitat aus einem Gespräch zwischen Chaska und deren Mutter (Ich hoffe, das ist für Verlag und Autor okay):
„Aber die Sache mit Schwanz und Möse habe ich dir erklärt, oder?“
„Mama!“
„Ah, gut. Dann weißt du übers Ficken Bescheid.“
Mama!

Noch Fragen?

Der Tonfall ist und bleibt derbe. Daran gibt es nichts zu rütteln. Und ich liebe es!
Nein, ich brauche nicht auf Gedeih und Verderb diese extreme Ausdrucksweise. Aber was soll ich tun? Es ist so verflucht unterhaltsam, dass es mich einfach jedes Mal aufs Neue packt, wenn ich einen neuen Schmöker von John Aysa in den Händen halte. Mal abgesehen von alle dem krassen Zeug, kann dieser Autor nämlich auch großartige Charaktere und Schauplätze erschaffen. Wie ein bekannter Fernsehsender so treffend sagt: Mittendrin, usw.
In „Chaska“ ist man mehr als mittendrin. Man lebt die Story, als wäre man eine der Figuren.
Ich nenne diese atemberaubend fetzigen Bücher von Aysa auch gerne mal „Movie-Lit“, weil ich eigentlich keinen anderen Autor kenne, der Kämpfe und Gemetzel derart plastisch schildern kann.
Da wird dann mit einem eleganten „Knack!“ ein Schädel gespalten, und man wünscht sich eigentlich nur noch eine weitere freie Hand, mit der man in den Popcorneimer greifen möchte.
„Chaska“ ist, wenn ich korrekt informiert bin, als Trilogie ausgelegt. Ich kann es kaum erwarten, diese stinkende, raubeinige Welt erneut zu betreten und die spannende Geschichte erneut aufzugreifen.

Inzwischen muss ich wohl die zarten Pflänzchen nicht mehr warnen. John Aysa ist ein schreibender Gewaltakt. Nehmt es hin oder langweilt euch weiter.
No more words.

Fazit:
Mehr, John, mehr! Schreib schneller, los, mach schon!

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