Sonntag, 31. August 2014

Toxic Lullaby - Torsten Scheib/Ralf Kemper

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Klappentext:

Was als unbeschwerter, sommerlicher Ausflug aufs Land begann, mündet für Eloise in einen wahr gewordenen Albtraum. Alleine, hilflos und ohne Erinnerung erwacht sie unvermittelt inmitten einer vergifteten, der Seele beraubten, toten Welt. Wer hier überleben will, muss sich jener Hülle entledigen, die ihn einst zum Menschen gemacht hat. »Fressen oder gefressen werden« lautet das oberste Gesetz. Am Tage oder in der Nacht, wenn unersättliche Kreaturen namens »Schläfer« auf Beutezug gehen. Gemeinsam mit einer Handvoll abgehärteter Überlebenskämpfer begibt sich Eloise auf die Suche: nach der Wahrheit und nach der mysteriösen, legendären »Grünen Insel«, dem angeblich letzten unversehrten Ort auf Erden. Doch was sie am Ende ihrer Odyssee finden wird, übersteigt sogar ihre schlimmsten Fantasien BEI WEITEM …


Seit einigen Jahren kenne und schätze ich nun schon die zahlreichen Kurzgeschichten von Torsten Scheib, die mir immer wieder über den Weg laufen, und die aus den bekannteren Anthologie-Reihen der Szene nicht mehr wegzudenken sind.

Einigen Lesern dürfte der Name Torsten Scheib auch durch zahlreiche Übersetzungsarbeiten (wie z.B. für Voodoo Press) bekannt sein.

Nun kam ich endlich in den Genuss, einen „richtigen“ Roman von diesem Autor zu lesen. Vorab sei gesagt, dass es sich bei „Toxic Lullaby“ (p. machinery Michael Haitel) um den Roman zum gleichnamigen Film handelt, der übrigens 2010 den Award für den besten internationalen Horrorfilm beim New York International Film Festival in den USA gewann.

Diesen Film habe ich zuvor nicht gesehen, weiß aber, dass dieser mit wenigen Mitteln von Ralf Kemper produziert wurde und in der „Szene“ als Geheimtipp gilt.

Mit großem Interesse erwarb ich also Torsten Scheibs Debüt-Roman – gespannt, was dieser aus dem Drehbuch und der Filmvorlage gemacht hat.

Dank des gewohnt knackig-kurzen Schreibstils, den ich so mag, war ich ziemlich zügig in diesem apokalyptischen Albtraum unterwegs.
Obwohl hier sicherlich einiges an Füllmaterial eingeflossen sein muss, hat dies dem Roman nicht geschadet. Vielmehr wurden Orte und Personen sehr deutlich dargestellt, was einem die Filmbilder würdig ersetzt und die Charaktere greifbar erscheinen lässt.

Der Klappentext und der Titel lassen zunächst auf einen Endzeit-Schmöker über eine vergiftete oder verstrahlte Welt schließen. Das ist aber nur ein Teil des Ganzen. Grundsätzlich geht es hier um Zombies, hier Schläfer genannt.

Gegen diese müssen sich Eloise und ihre Mitstreiter nahezu ohne Verschnaufpausen zur Wehr setzen. Das Tempo ist hoch und das Blut fließt in Strömen. Hier wurden ganz klar die Fans von actionreichen Massakern gut bedient.
Aber auch die Charaktere kommen nicht zu kurz. Eloise lässt uns an ihren innersten Ängsten teilhaben. Das wurde richtig gut umgesetzt. Ich vermute mal, dass sie mir im Film vielleicht egal gewesen wäre. Im Roman war dies nicht der Fall.

Insgesamt wurde ich nach einem etwas gemütlicheren Einstieg recht schnell vom Autor am Kragen gepackt und mit einem Affenzahn durch die Story geschleift. Torsten Scheib hat dafür gesorgt, dass keine Langeweile aufkam – so viel ist sicher.
Allerdings blieben am Ende einige Fragen offen, die wahrscheinlich auch der Film nicht beantwortet hat. Aber dafür ist wahrscheinlich Ralf Kemper zuständig. Wer weiß, vielleicht wird es dazu irgendwann eine Ergänzung geben. Ich wäre nicht abgeneigt, diese zu lesen.

Ich hatte jedenfalls meinen Spaß und wurde rasant unterhalten.

Trotzdem kann ich mir am Ende folgendes Statement nicht verkneifen:
Ich hatte wirklich keine Zombies erwartet.

Fazit:
„Toxic Lullaby“ ist ein rasant geschriebener Zombie-Albtraum, der sich locker mit den uns bekannten Schmökern über Untote messen kann. Ich wurde durchweg gut unterhalten und wünsche mir von Torsten Scheib jetzt noch einen Roman über böse Geister. Dann kann ich in Frieden in die Urne kriechen.

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Donnerstag, 14. August 2014

Der Sommer, als ich starb - Ryan C. Thomas

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Klappentext:

Als Roger Huntington für den Sommer vom College nach Hause kommt und seinen besten Freund Tooth trifft, weiß er, dass sie jede Menge Spaß haben werden. Bier, Comics, Filme, vielleicht sogar Mädchen. An einem prächtigen Sommermorgen brechen sie zum Bobcan Mountain auf, um auf Bierdosen zu schießen. Nur zwei Freunde, die zusammen Zeit verbringen und über ihre Zukunft reden … zwei Freunde, die urplötzlich in einen Albtraum gestürzt werden. In den Klauen eines sadistischen Killers und seines hungrigen Hunds müssen sie die Frage beantworten: Werden Helden geboren oder erschaffen? Und wichtiger noch: Wie überlebt man, wenn alle Wege in den Tod führen?

„Der Sommer, als ich starb“ war mein „Erster“ von Ryan C. Thomas. Ziemlich sicher wird es wohl auch nicht das letzte Buch dieses Autors sein, welches den Weg in mein blutrünstiges Regal finden wird.

Wie die kurze Einleitung bereits verrät, hatte ich mächtig Spaß. Nicht nur, weil es in diesem Schmöker herzhaft zur Sache ging, sondern weil hier einfach alles gepasst hat.

Dabei hatte ich auf den ersten 5-10 Seiten noch gedacht: „Hm, irgendwie komme ich nicht rein.“ Am nächsten Tag war mir klar, dass man einfach nach gut zehn Stunden Arbeit am Computer, mit kleinen, verquollenen Augen und müde wie ein Komapatient keinen frischen Lesestoff in die Hand nehmen sollte.
Nachdem ich also ausgeruht das Ganze noch einmal in Angriff nahm, gab es auch kein Halten mehr.

Ich habe das gute Stück völlig gebannt in einem Happen gefressen und bin gerade ziemlich stinkig, weil es nun vorbei ist.

Der Autor nennt die Dinge beim Namen, macht keine Gefangenen, kennt keine Scham und rockt damit ein Leserhirn bis in die hintersten Windungen.

Ich möchte jetzt an dieser Stelle keine Vergleiche mit Lee, White und Co. In die Buchbesprechung werfen. Zwar mag der Anteil an Gewalt und Blut in etwa passen, aber trotzdem macht Mr. Thomas sein ganz eigenes Ding.

Angefangen beim rotzig-direkten Sprachgebrauch bis hin zu Charakteren, die man förmlich sehen kann, wenn sie beschrieben werden, war der ganze Roman ein einziger fetter Strike.

Die gelungene Mischung aus sämtlichen möglichen Gefühlen des menschlichen Verstands, gepaart mit einer unterhaltsamen Story, macht diesen Schmöker zu einem spannenden Pageturner, der eher gelassen beginnt und sich bis zum Ende zu einem Monster von Horror-Roman steigert.

Mehr! Gibt es mehr? Ich werde recherchieren und schauen, ob ich mehr bekommen kann.

Fazit:

„Der Sommer, als ich starb“ von Ryan C. Thomas entpuppte sich als überraschend spannender, hochwertiger Pageturner und ist somit eines meiner Highlights 2014.
Keine Frage – Kaufen!

Der Sommer, als ich starb kann hier bestellt werden *klick*

Dienstag, 12. August 2014

Weird Trip - Thomas Williams

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Es gab schon die eine oder andere Anthologie, in der ich über eine der fetzigen Kurzgeschichten von Thomas Williams gestolpert bin.

Eine davon ist „Santas Dorf der Verdammten“ aus der Anthologie „Dunkle Seiten VI“, die zu diesem Zeitpunkt für mich DAS Highlight der gesamten Anthologie war.

Keine Frage, dass ich von diesem Autor gerne mehr lesen wollte. Also habe ich mich mit seiner Kurzgeschichtensammlung „Weird Trip“ beschäftigt – und es nicht bereut.

Zum Inhalt:

Die Mitternachtstür

Ein Haus mit einer geheimnisvollen Türe, die sich nur nachts für jeweils eine Stunde zeigt und öffnet, etwas, das dahinter lebt und ein Mann, der deswegen seine Frau verlor.
Sehr geile Story mit Romanpotenzial. Hier hätte ich gerne ein ganzes Buch gehabt. Man hätte daraus einen fetten Schinken basteln können. An keiner Stelle langweilig.

Ein Tag wie jeder andere

Hier recherchiert der Journalist eines Magazins über ungewöhnliche Phänomene in einer „Spuksache“. Was er dann erlebt, hätte er sich mit Sicherheit so nicht träumen lassen. Sehr coole Geschichte im Stil der Gespenster-Comics von Bastei.

Nur für ihn

Grandiose Stalker-Story mit einem gut herausgearbeiteten Psycho.

Eine Abkürzung

Es könnte seine Gründe haben, wenn einem ein Obdachloser den Weg zu einer Abkürzung versperrt. Wer sich die Passage trotzdem erzwingt, könnte es bereuen.

Duelo del monstruo

Wenn man möchte, kann man heutzutage auf nahezu alles wetten. Auch auf riesige Monster, gegen die Godzilla ein feuchter Fliegenpups ist und die ganze Städte niederreißen, wenn sie gegeneinander kämpfen.

Zu seinem eigenen Besten

Manchmal wird man entführt, weil sich jemand ein großzügiges Lösegeld erhofft. Und manchmal ist es zum eigenen Besten.

Gestohlener Fluch

Man sollte wirklich gründlich prüfen, was man klaut, bevor man es klaut. Es gibt Dinge, die aus gutem Grund bei ihrem Besitzer bleiben sollten.

Black Cadillac

Es gibt sie wirklich – diese Nerds, die Serienkiller verehren und deren ehemalige Besitztümer sammeln. Glaubt ihr nicht? Dann lest „Black Cadillac“!

Der letzte Luchador

Ein alter, abgehalfterter Wrestler, der nichts mehr hat außer einem schlechten Ruf, kämpft seinen letzten Kampf.


Ich kann es nicht anders formulieren. Thomas Williams Geschichten sind allesamt wahre Pageturner. Dabei hat er überhaupt kein Problem damit, alle Gangarten des Horrors auszuleben. Ob unheimlicher Spuk oder rasende Zerstörung, nichts wurde hier ausgelassen. Besonders gut gefiel mir die Stalkergeschichte, weil ich abgedrehte Psychos mag. Die Art und Weise, wie der Autor diesen Charakter zeichnete, hat mich wirklich gut abgeholt.
Sehr geil gemacht!

Als Fan der frühen Gespenstercomics von Bastei, habe ich beim Lesen dieser Geschichten sehr oft an diese Comics denken müssen, und vor meinem inneren Auge formten sich die Zeichnungen wie von selbst. Ich gebe zu, ich mag diese ganz speziellen Geschichten, die niemals gut ausgehen können, und die sich nahezu endlos wiederholen können – egal, was die Protas versuchen.

„Seltsam? Aber so steht es geschrieben …“

Dieser Satz ist den Comic-Nerds sicher noch bekannt. Mir spukt er noch immer dezent im Kopf herum.

Erwähnte ich schon, dass Thomas Williams über einen wirklich angenehmen Humor verfügt? Ab und zu lässt er diesen in seinen Geschichten aufblitzen, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften.

Die Vielfalt aller Ideen, das Tempo und eine gesunde Portion Können machen aus dieser Sammlung ein rasantes Lesevergnügen mit großem Unterhaltungswert. Noch immer frage ich mich, wo der Typ all diese Einfälle herzaubert.

Fazit:

„Weird Trip“ von Thomas Williams ist sowas von ein Pageturner unter den Kurzgeschichtensammlungen, dass es eine wahre Freude ist.
Schnell, direkt, unterhaltsam und originell – genau so brauche ich meinen Lesestoff.

Weird Trip kann man hier bestellen *klick*

Sonntag, 10. August 2014

Autorenportrait - Arthur Gordon Wolf

Dieses Autorenportrait widme ich dem 1962 geborenen Schriftsteller Arthur Gordon Wolf.


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Meine Autorenportraits sollen den geneigten Leser nicht mit Fakten langweilen, die sich leicht ergoogeln lassen. Hier halte ich fest, wie ich auf genau diesen Autor gekommen bin und was mich dazu gebracht hat, ihn hier vorzustellen.

Wer dennoch auch die Sachinformationen möchte, ist herzlich eingeladen, Mr. Wolf auf seiner Homepage zu besuchen.

Als Horror and more noch in den Kinderschuhen stand, war ich privat ständig auf der Suche nach neuem Horrorstoff.
Arthur Gordon Wolf – bzw. seine Erstausgabe von „Katzendämmerung – schwarze Sterne“ – entdeckte ich im Regal einer Büchertausch-Plattform. Ich dachte, das wäre ein schönes Geschenk für meinen Bruder, da man sich das Buch auch signieren lassen konnte. Die Story juckte auch mir in den Fingern, also beschloss ich, es zu ordern.

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Das Buch landete also (mit einer ganz tollen Widmung versehen) bei meinem Bruder. Dort wurde es dann später auch von seiner Freundin entdeckt und verschlungen. Die Begeisterung meiner Schwägerin in spe ist mir noch gut in Erinnerung. Also orderte ich dann noch eines für mich.

Was soll ich sagen? Ich liebte es! Wie sehr, könnt ihr hier nachlesen.

Hier sehen wir den Autor an einem der Originalschauplätze aus „Katzendämmerung“. Etwa ein Jahrzehnt Arbeit und Recherche stecken in diesem Werk.

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Leider war das gute Stück aber unvollständig. Von der existierenden Trilogie waren in diesem Exemplar nur die ersten beiden Teile abgedruckt.

Erlöst wurde ich schließlich vom LUZIFER Verlag, der anscheinend von diesem Werk ebenso beeindruckt war wie ich. „Katzendämmerung“ wurde mit einem genialen Cover von Timo Kümmel geschmückt und als vollständige Trilogie neu aufgelegt.

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Meine Meinung dazu könnt ihr hier lesen.

Aber auch VOODOO PRESS hatte bereits zuvor ein Auge auf Arthur Gordon Wolf geworfen. Und so hielt ich noch vor Erscheinen der Neuauflage von Katzendämmerung meinen ersten UMC-Roman von ihm in den Händen. Auch diesen konnte ich signiert ergattern.

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Mit „Die weissen Männer“ hatte der Autor mich dann endgültig am Wickel. In meiner Buchbesprechung dazu gibt es alle weiteren Details.

Arthur Gordon Wolfs UMC-Universum besteht aus mehreren Romanen/Novellen oder auch Geschichten, von denen ich zuvor bereits „Die Dunwich-Pforte“ gelesen hatte. Auch diesen Titel hatte ich hier bereits vorgestellt.

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Und immer wenn man denkt, woher kenne ich den bloß? Wo, verdammt noch eins, habe ich diesen Namen schon gelesen, betrachte man bitte diese eigens geklöppelte Collage. Sie beinhaltet, wenn ich anständig recherchiert habe, alle Veröffentlichungen in Anthologien und Magazinen.


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Okay, die Dunwich-Pforte ist noch einmal mit reingerutscht, ich bitte um Verzeihung.

Während wir also auf Facebook, via Twitter oder auch Google+ täglich von Hunderten von Autoren mit Werbung gefoltert werden, sitzt dieser außergewöhnliche, bescheidene und hochtalentierte Autor schon an einer neuen, aufregenden Geschichte.

So ist es auch kein Wunder, dass auch beim Vincent Preis ab und zu sein Name fällt.

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Inzwischen bin ich zu einem echten Fan von Arthur Gordon Wolf geworden. Und ich gebe zu, ich sammle seine Bücher und die Anthologien, in denen er vertreten ist. Natürlich besitze ich noch nicht alle, aber ich bin auf einem guten Weg.

Seit ich weiß, dass weitere UMC-Geschichten unveröffentlicht in der Schublade schlummern, habe ich Hummeln im Hintern und hoffe sehr, dass sich da bald etwas tut. Es wäre zu schade, die nicht lesen zu dürfen.

Last but not least hatte ich sogar zweimal die Ehre, meine eigenen Geschichten zusammen mit denen von Arthur Gordon Wolf in einer Anthologie veröffentlicht zu sehen. Ohne Übertreibung, darauf bilde ich mir wirklich etwas ein.

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Beide zu beziehen über Amrûn .
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Dieser Autor ist ein fester Bestandteil meiner Leseliste geworden. Jede seiner Geschichten, die ich bereits kenne, hat mich auf unterschiedliche Weise begeistert. Ich mag die gute Mischung, denn Herr Wolf beherrscht alle Gangarten der Fantastik – auch die härteren – ohne jemals vulgär zu werden. Er kann Figuren erschaffen, die einem wichtig werden, und er haucht allem Leben ein, was sich in sein Manuskript verirrt. Wollen wir also hoffen, dass nicht eines Tages versehentlich eine Dämonen-Statue in sein nächstes Manuskript fällt. Die Folgen könnten verheerend sein.