Donnerstag, 21. November 2013

Eine Nacht in der Hölle/Sein Schmerz - Nate Southard/Wrath James White

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Mit „Eine Nacht in der Hölle“ von Nate Southard und „Sein Schmerz“ von Wrath James White erreichte mich vor einigen Tagen ein weiterer Band der inzwischen sehr beliebten Extrem-Reihe von Festa. Das Besondere daran ist nicht nur die, wie immer sehr schön anzuschauende, Leder-Optik, sondern das absolut großartige Wendecover. Damit erhielt jede Novelle ihr eigenes Design. Wenn man eine Geschichte beendet hat, dreht man das Buch einfach herum und schon kann es weitergehen.  

„Eine Nacht in der Hölle“ von Nate Southard:  

Dillon und Kevin sind beste Freunde, bis Kevin herausfindet, dass Dillon homosexuell ist und eine Beziehung mit Randy hat. Für den Macho und Footballspieler Kevin ist diese Tatsache unerträglich und er beschließt, dem schwulen Paar eine Lektion zu erteilen. Mit der Hilfe von Slug und Toby verschleppt er Dillon und Randy in eine abgelegene Hütte. Die Situation gerät außer Kontrolle.  



Mit dieser Novelle präsentiert Nate Southard seinen Lesern eine etwas andere Variante der klassischen Rachestory. Vielleicht ist die Idee nicht ganz neu und der Handlungsverlauf in gewissem Maße vorhersehbar. Trotzdem ist es dem Autor gelungen, reichlich Spannung aufzubauen und den Charakteren Leben einzuhauchen. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Kevin ist der Leader, der, der das Sagen hat. Er steigert sich in einen Machtrausch hinein, der an Größenwahn grenzt. Vor meinem geistigen Auge erschien mir irgendwie immer der junge Kiefer Sutherland, obwohl nie wirklich beschrieben wurde, wie Kevin aussieht. Dillon macht eine bahnbrechende Entwicklung durch, die auf mich als Leserin eine eindrucksvolle Wirkung hatte. Aus Angst und Sorge wird Wut und Hass. Diese beiden Charaktere lassen die übrigen Personen wie Statisten wirken, obwohl auch sie tragende Rollen spielen. 
Dass das ganze Drama eine Sache zwischen Dillon und Kevin ist, wird dadurch zusätzlich betont. Großartige Charakterzeichnung, ausgezeichnet umgesetzt.  

Typisch für Nate Southard ist auch hier wieder der knackige, direkte Scheibstil. Hier wird nicht drumherum geredet – hier wird gehandelt. Der Leser erhält genau die Menge an Informationen, die wichtig sind, um die Story direkt im Gehirn ankommen zu lassen.  
Ich selbst bin auch kein Fan von viel Gefasel um nichts. Deswegen war diese Story genau mein Ding. Bitterböse, brutal und kompromisslos. Nate Southard macht keine Gefangenen. Was will man mehr? Diese Story wurde atemlos an einem Stück von mir verschlungen. Ich bin begeistert!

  „Sein Schmerz“ von Wrath James White:  

Der junge Jason leidet seit seiner Geburt an einer seltenen Krankheit, die bewirkt, dass sein ganzes Leben aus nichts als Schmerz besteht. Jede Berührung, jedes Geräusch, jeder Geruch und alle Arten von Sinneseindrücken lösen unsagbare Schmerzen aus. Auf diese Weise vegetiert er sozusagen, von der Außenwelt abgeschottet, vor sich hin. Obwohl es wahrscheinlich besser wäre, ihn von seinen Qualen zu erlösen, halten seine Eltern, vor allen Dingen seine Mutter, am Leben ihres Kindes fest. Mit der Hilfe von Yogi Arjunda erlernt Jason schließlich eine Methode, seinen Schmerz in etwas Anderes umzuwandeln.  

Oh mein Gott! Ja, wirklich. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Heilige Scheiße!  
Die Geschichte fängt eher dramatisch, wenn nicht sogar traurig an. Jasons Schicksal berührt den Leser augenblicklich und man kann rein gar nichts dagegen tun. Und während man noch damit beschäftigt ist, sich das eine oder andere Tränchen zu verkneifen, holt Mr. White aus und verpasst dem Leser den Ekel seines Lebens mit einem Vorschlaghammer aus der Hölle. In dieser Novelle wird mit rein gar nichts gespart. Es fließen sämtliche Körperflüssigkeiten und die Handlung macht vor nichts und niemandem halt. Nebenher werden auch noch ein bis zwei heikle Tabus thematisiert.  

Von den Charakteren sticht ganz besonders Jasons Mutter hervor. Als Leser ist man sich nicht sicher, ob man Verständnis für diese von Egoismus geprägte Mutterliebe aufbringen soll oder ob man dieser Frau genau dafür lieber eine reinhauen möchte. Das in einem Leser hervorzurufen, ist großes Kino. In eher mittelmäßigen Romanen sind mir die Personen in der Regel völlig schnuppe.

In „Schänderblut“ hatte ich ein winziges Problem mit dem Schreibstil, der mir kalt und emotionslos vorkam. Dieses Problem hat sich spätestens mit „Sein Schmerz“ erledigt. Hier ging mir die Geschichte insgesamt ziemlich nahe und ich wage mich mal soweit vor zu vermuten, dass solche Eindrücke vielleicht durch die Art der Übersetzung entstehen könnten. Wenn hier ohne viel umständliches Gelaber die größtmögliche Wirkung auf den Leser erreicht werden konnte, liegt es wahrscheinlich daran, dass die Übersetzerin den Schreibstil des Autors optimal transportieren konnte. Dafür ein großes Lob von mir als Leserin.  

Fazit:  

Dieser Doppelband aus der Reihe „Extrem“ von Festa hat bei mir keine drei Stunden überlebt. Angekommen, ausgepackt, verschlungen. Dem Verlag ist hier das perfekte Duett zweier großartiger Autoren gelungen, die sich in diesem Doppelband effektiv ergänzen. Dieses Buch ist eine höllische Doppelsymphonie des Bösen und deswegen ein absoluter Leckerbissen für Fans der Extrem-Reihe von Festa.


Die Taschenbuchausgabe ist nur bei Festa erhältlich *klick*  

Beide Novellen sind jeweils einzeln als eBook erhältlich.  
 

Montag, 18. November 2013

Die Katzenlady - Melisa Schwermer

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Klappentext:
Jahrelanger Psychoterror bestimmt Sabrinas Leben. Seit dem Tod ihres Vaters lebt sie alleine mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem vermüllten Messiehaus am Rande von Darmstadt. Als sie die Unterdrückung durch ihre Mutter nicht mehr ertragen kann, befreit sie sich und beginnt gemeinsam mit ihren Katzen ein neues Leben. Um ihre neu gewonnene Freiheit zu verteidigen, ist ihr jedes Mittel recht. Wirklich jedes!  

Melisa Schwermer gab bereits mit der eher kurz gehaltenen Geschichte „Der Käfer“ ihr Debüt im Horrorgenre. Leider gab es diesen Schmöker nur als eBook, so dass ich mich bis heute nicht daran begeben habe.   Meine Chance als sture „Holzbuchleserin“ kam dann endlich mit der Veröffentlichung von „Die Katzenlady“ und ich war sehr neugierig auf dieses Buch.  

Die Story, wie oben bereits im Klappentext beschrieben, handelt von der jungen Frau Sabrina, die zusammen mit ihrer Mutter in einem vermüllten Messiehaushalt lebt. Sie steht komplett unter der Fuchtel der verwahrlosten Mutter, muss diese versorgen, pflegen und deren seltsame Essgewohnheiten unterstützen. Über kurz oder lang geschieht, was zu erwarten war. Sabrina sieht sich am Ende ihres Geduldsfadens angelangt und beschließt zu handeln. Sie beginnt damit, sich von ihrem alten Leben und, vor allen Dingen, von ihrer Mutter zu befreien.  

Dieser Prozess setzt sich schleichend, aber mit grausamer Gewissheit in Gang. Sabrina verliert nach und nach alle Hemmungen und ihre Psyche verändert sich.   In meinen Augen ist diese Veränderung richtig gut gelungen. Nach und nach wird Sabrina mehr oder weniger irre. Wie das letztlich vonstatten geht, ist Frau Schwermer sehr gut von der Hand gegangen.  

Dabei nimmt die Autorin auch keinerlei Rücksicht auf Verluste oder schwache Mägen. Die eine oder andere Szene hat es schwer in sich. Jeder Horrorjunkie wird sich danach die Finger lecken. Diese Tatsache sollte der geneigte Leser bitte VOR dem Kauf in Betracht ziehen. Wenn man sich einen Horror-Roman kauft, könnte dieser evtl. widerwärtige Inhalte haben. Um das herauszufinden, kann man sich den Blick ins Buch genehmigen, Bewertungen lesen oder gar Tante Google benutzen. Für mich ist das jedenfalls kein gerechtfertigter Grund für einen Sterneabzug.  

Ein Sternchen geht dennoch in meiner Bewertung verloren. Die Geschichte um Kerstin in der Nebenhandlung war für meinen Geschmack etwas zu langatmig. Da gab es mitunter Passagen, bei denen mein Geist etwas abschweifte. Mit anderen Worten, es kam ein wenig Langeweile auf. Diese kleinere Krise war aber sofort überwunden, nachdem die Handlung sich wieder auf Sabrina konzentrierte.

Mit dieser Protagonistin ist Melisa Schwermer ein wahrer Glücksgriff gelungen. Die Entwicklung dieser unterdrückten Persönlichkeit sorgt für reichlich Spannung und lässt den Unterhaltungwert stetig ansteigen.  

Sprachlich ist „Die Katzenlady“ ein Roman für „jedermann“. Wir im Ruhrpott sagen gerne: Frei Schnauze. Die Autorin schreibt locker und frech, so, wie ihr „der Schnabel gewachsen ist“. Es wird viel geflucht und geschimpft, so dass Freunde der lockeren Umgangssprache sich in diesem Roman wahrscheinlich leicht wiedererkennen werden. Da auch ich diesen Schreibstil bevorzuge, hat mir der Roman großen Spaß gemacht – ein wahres Popcorn-Spektakel – Couch, Decke, Buch und Popcorn, fertig ist die gemütliche Leseecke.  

 Hier und da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Was z.B. in der Nebenstory um Kerstin zu viel des Guten war, hätte man gegen Ende gerne draufpacken dürfen. So erschien mir schließlich das Ende ein wenig knapp und gehetzt, dafür aber mit ordentlich Schmackes in jeder Hinsicht.  

 Fazit:
„Die Katzenlady“ von Melisa Schwermer hat alles, was eine gute Horror-Story braucht: Blut, Widerwärtigkeiten, Wahnsinn und menschliches Versagen. Patienten mit schwachen Mägen lesen bitte Rosamunde Pilcher. Alle anderen, die verstanden haben, worum es in diesem Roman geht, suchen sich eine gemütliche Ecke und verabschieden sich für ein paar Stunden von der Welt. Mir hat es großen Spaß gemacht und ich werde sicher weitere Werke dieser Autorin lesen wollen.
  

Donnerstag, 7. November 2013

Katzendämmerung - Die Gesamtausgabe

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Vor etwas mehr als einem Jahr fiel mir „Katzendämmerung – Schwarze Sterne“ von Arthur Gordon Wolf zum ersten Mal in die Hände. Dieser Band wurde dann auch von mir verschlungen und besprochen. Leider endete dieser äußerst lesenswerte Schmöker mit einem ziemlich gemeinen Cliffhanger und ich musste über ein Jahr warten, bis ich die Geschichte, die eigentlich ein Dreiteiler ist, endlich komplett lesen durfte. Der Luzifer-Verlag war anscheinend von der Story ebenso angetan wie ich und beschloss, „Katzendämmerung“ als Gesamtausgabe, inklusive des zuvor fehlenden dritten Teiles, neu zu verlegen.  

Das Problem bei diesem Roman besteht darin, den Inhalt zusammenzufassen, ohne zu spoilern. Deswegen möchte ich auch nicht viel mehr verraten, als bereits im Klappentext zu lesen ist. Der Fotograf Thomas Trait verliebt sich Hals über Kopf in die geheimnisvolle Natascha, die sowohl schön als auch klug ist. Sie beschäftigt sich beruflich mit ägyptischer Mythologie und scheint auch selbst irgendwie ein Teil davon zu sein. Thomas brennt für diese Frau und verfällt ihr mit Haut und Haaren. Wenn da nur nicht dieses Geheimnis wäre, das Natascha umgibt. Da Thomas seine Neugier nicht zügeln kann und Natascha irgendwann auf einem ihrer nächtlichen Streifzüge folgt, wird von nun an sein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Er macht eine Entdeckung, die für ihn und auch für Natascha schwerwiegende Folgen hat.

  Es ist eigentlich schwierig, eine Trilogie zu besprechen, deren ersten beiden Teile man bereits besprochen hat. Dennoch will ich es versuchen, weil etwas ganz Besonderes geschehen ist. In der Regel lese ich niemals ein Buch zweimal. In diesem Fall wollte ich aber die ersten beiden Teile „Bastet“ und „Sachmet“ noch einmal schnell querlesen, um den Anschluss zu finden. So geschah es also, dass ich das Buch noch einmal komplett lesen musste, weil ich gar nicht anders konnte. Gleich zu Beginn war ich wieder voll drin und konnte kaum die Augen von dem Buch lassen. Die Bilder, die sich beim ersten Mal in meinem Kopf formten, waren sofort wieder präsent. Ich erinnerte mich und war hin und weg.  

Thomas Trait ist ein Charakter, den man abwechselnd knutschen oder am Kragen packen und schütteln möchte. Seine alles übersteigende Liebe zu Natascha, seine Trauer, seine Verzweiflung, sein menschliches Scheitern und sein Wiederaufstehen nach etlichen Wechselbädern der Gefühle machen aus ihm den liebenswertesten, interessantesten und zugleich menschlichsten Mann, der sich je für die Liebe einer Frau zum Sklaven gemacht hat. Das ist so, weil der Autor es hervorragend versteht, den Leser an Thomas' innersten Gefühlen teilhaben zu lassen. Und egal, was dieser Typ sich auch leistete: Ich brannte für diesen Kerl. Ich litt mit ihm, war traurig, war entsetzt und wollte ihm eine reinhauen, damit er endlich zur Vernunft kommt. DAS ist ganz großes Kino, wie es selten ein Autor hinbekommt.  

Den Horrorfans unter den Lesern sei versichert, dass es reichlich Blut und noch mehr Sex gibt. Aber halt! Wer jetzt hier ein Kaliber á la Lee und Co. erwartet, ist komplett auf dem falschen Dampfer. Herr Wolf war ziemlich sparsam mit dem Gebrauch harter Fäkalsprache. Es passiert eine Menge, aber alles wird in einem Stil erzählt, den ich gerne als zurückhaltend frech beschreiben möchte. Der Autor verfügt über einen herrlichen Galgenhumor mit Tendenz zur Selbstironie. Das lässt er hier und da in seine Erzählung mit einfließen. So entstand mühelos ein hoher Unterhaltungswert, obwohl dieses Buch bis zum Rand mit ägyptischer Mythologie gefüllt ist.  

Hier kommt nun eine bemerkenswerte Tatsache zum Tragen. Die Arbeit an diesem Buch dauerte länger als ein Jahrzehnt, zu einer Zeit (wenn ich richtig liege), als man noch nicht mühelos das Wort „Ägypten“ googeln konnte. In mühsamer Kleinarbeit wurden hier Details recherchiert, von denen sich selbst eine Galileo-Doku noch eine Scheibe abschneiden könnte. Der Autor hat die Stätten seiner Geschichte persönlich bereist und das merkt man dem Roman auch an. Jede Örtlichkeit, jeder Stein und jedes Detail ist so originalgetreu beschrieben worden, dass man quasi live und in Farbe dabei sein kann, wenn Thomas Trait sich einmal in die Hölle und wieder zurück bewegt.  

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass ich auf Natascha als Person kaum eingegangen bin. Das ist auch gut so. Nichts ist wie es scheint, erst recht nicht Natascha. Wenn ihr sie kennenlernen möchtet, kauft euch das Buch! Es lohnt sich.  

Ich habe mir jedenfalls absichtlich länger Zeit mit diesem Buch gelassen, weil ich einfach noch nicht loslassen wollte. Hier hat alles gepasst. Thomas hat ein klares Bild in meinem Kopf hinterlassen und ich sehe im Geiste, wie er irgendwo sitzt und seine Geschichte aufschreibt.  

Timo Kümmel hat übrigens das tolle Cover entworfen.  
Der LUZIFER-Verlag hat es geschafft, die fast 700 Seiten in ein bequem lesbares Format zu bringen. 
Daumen hoch für die tolle Qualität.  

Fazit: „Katzendämmerung“ von Arthur Gordon Wolf ist eines der wenigen Bücher, die ich nie mehr vergessen werde, eines, das ich sogar zweimal lesen wollte – freiwillig. Es gibt ein Wort, das ich nicht gerne verwende. Deswegen nehme ich eine Alternative. Dieses Buch ist ein Lebenswerk und ich bereue keine Minute, die ich damit verbracht habe.    

Hier kann man "Katzendämmerung" direkt bei LUZIFER kaufen.  

Und hier geht es zur Alternative: