Donnerstag, 27. Juni 2013

Fangboys Abenteuer - Jeff Strand


Herzlichen Dank an VOODOO PRESS für das Rezensionsexemplar!
Nathan Pepper ist nicht wie andere Kinder. Äußerlich unterscheidet ihn nahezu nichts von normalen Menschen, aber sobald er gähnt oder aus anderen Gründen den Mund öffnet, offenbart sich das nackte Grauen. Nathan hat, genau wie ein Hai, den ganzen Mund voller Reißzähne. Kein Wunder also, dass seine Mutter sich weigert, ihn zu stillen und seine Großeltern ihn am liebsten im Garten verscharren möchten.
Trotzdem ist Nathan im Grunde ein ganz normaler Junge. Leider sehen seine Mitmenschen das anders. Deswegen ist es auch kein Wunder, dass Nathan auf ein Leben voller Abenteuer zurück blickt. Diese Abenteuer schildert Jeff Strand seinen Lesern auf 249 Seiten.

An alle, die schon die Mayhem-Reihe und “Benjamins Parasit” kennen: Vergesst alles, was Ihr je von Jeff Strand gelesen habt, denn “Fangboys Abenteuer” ist mit rein gar nichts davon vergleichbar.
Weder handelt es sich hier um einen Horrorschmöker, noch kann man dieses Buch im Thrillergenre einordnen.
Ich würde diese Story als märchenhafte Erzählung bezeichnen, die, trotz aller Bemühungen seitens des Autors, nicht zu humorig zu werden, immer wieder den typischen Strand-Humor aufweist. Nun ist es nicht so, dass man sich fortwährend vor lachen den Bauch halten muss, doch den einen oder anderen Schmunzler konnte auch ich mir nicht verkneifen. Natürlich hat Strand es sich nicht nehmen lassen, die Menschen und alles was sie gerne verbocken, auf die Schippe zu nehmen. So bekommt dann auch jeder, der es verdient, in diesem Buch sein Fett weg. Wer auf Seitenhiebe in dieser Form steht, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Wie es auch bei vielen Märchen der Fall ist, sind alle Charaktere in diesem Roman irgendwie unwirklich, übertrieben und schillernd. Der Fokus liegt jedoch immer auf Nathan, den ich ziemlich schnell in mein Herz geschlossen hatte.
Der arme kleine Kerl mit dem guten Herz rutscht von einem Unglück ins nächste und man möchte ihn am liebsten aus diesem gemeinen Buch befreien und in Pflege nehmen.

Die ganze Geschichte ist in Kapitel unterteilt und es kommt einem vor, als sei man wieder ein kleines Kind, der Papa säße bei einem am Bett und erzählte einem jeden Abend mit übertrieben verstellter Stimme eine weitere Räuberpistole aus Fangboys Leben. Und wie ein kleines Kind blättert man nach jedem Kapitel mit großen Augen weiter, weil man von dieser unglaublichen Geschichte einfach nicht genug bekommen kann.
“Fangboys Abenteuer” ist aber nicht nur märchenhaft, sondern auch so bizarr wie “Alice im Wunderland”.
Auf der einen Seite gibt es Autos und Telefone. Auf der anderen Seite kommt auf einmal eine Pferdekutsche daher. Es gibt gute Menschen, böse Menschen, Kuriositäten, Geheimnisse, Gefahren, Kinder, die ins Gefängnis müssen und kleine Wunder. Eigentlich ist da kaum etwas, das es in diesem Roman nicht gibt. Ich könnte jetzt nicht einmal sagen, in welcher Zeit die Geschichte sich überhaupt zuträgt. Um um ehrlich zu sein, war mir das auch völlig egal, so gefangen war ich von dieser Story.
“Fangboys Abenteuer” war für mich ein einzigartiges, bizarres, herzzerreißendes und wundervolles Abenteuer, das ich in dieser Form noch nie gelesen habe.

Ihr wolltet Horror? Ich bedaure. Bis auf winzige, ziemlich harmlos erzählte Gewalt-Episödchen, für die unser kleiner Held nicht einmal etwas konnte, passt ansonsten nur noch das Cover zu meiner Homepage. Und dennoch war dieser Roman ein waschechter Pageturner, der in mir Gefühle ausgelöst hat, die ich zuletzt bei “Peter Pan” verspürte.

Fazit:
“Fangboys Abenteuer” von Jeff Strand hat das kleine Kind in mir zurück ins Leben geholt. Ich war zeitweise in einer völlig anderen Welt und habe das Buch am Ende mit Bedauern zugeschlagen. Dieses meisterhaft geschriebene, bizarre Märchen zeigt uns eine Welt, in der wir nicht leben wollen und die wir trotzdem nicht mehr verlassen möchten. Klare Kaufempfehlung für diesen fantasievollen und berührenden Roman.

Details zum Buch:

Broschiert: 249 Seiten
Verlag: Voodoo Press (4. April 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3902802340
ISBN-13: 978-3902802347
Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 2 cm
Preis: EUR 12,95 für das Taschenbuch und EUR 4,99 für das eBook

Das Taschenbuch kann man hier bestellen *klick*
Hier bekommt Ihr das eBook *klick*

Dienstag, 25. Juni 2013

Zu dunkler Stunde - Marc Hartkamp


Vorab herzlichen Dank an den Twilight-Line Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Der Autor Marc Hartkamp war mir bereits durch diverse Veröffentlichungen seiner kleinen aber feinen Kurzgeschichten bekannt. Man findet seine gruseligen Stories bereits in mehreren Ausgaben der Reihe “Dunkle Seiten” und demnächst auch in “Horror-Legionen, Der Almanach deutscher Horror- und Mystery-Autoren”. Da war es für mich keine Frage, ob ich diese Veröffentlichung lesen möchte oder nicht.
“Zu dunkler Stunde” ist eine Zusammenstellung vieler kurzer Geschichten und Gedichte, die sich alle mit dem Thema Horror befassen. Zu jeder Geschichte den Inhalt zusammenzufassen, wäre nun ein wenig zu viel des Guten, denn trotz des geringen Umfangs dieses – sagen wir mal – Büchleins, befinden sich eine Menge verschiedener Geschichten darin.

Hier eine kurze Übersicht:

Vorwort
Die Happy
Lykanthropie
Der Sandmann
Der Seelen-Garten
Der Tramper
Unterschwellig
Furcht
Flüsternde Schatten
Herzblut
Lisa
Bis der Tod uns scheidet
Mondkind
Blacklight
Das Buch der Schatten
Dauerwerbesendung
Das Totenhemdchen
Connie
Schnitte
Samhain
Der Seelenjäger
Dingo
@
Die Schatten der Themse
Succubi
Monat 13
Das dunkle Tal

Marc Hartkamp beschäftigt sich vorwiegend mit den Urängsten, die in den meisten von uns schlummern. Seien es Geister, Monster, Kindheitsängste oder einfach nur der nackte Wahnsinn, in dieser Sammlung ist nahezu alles vertreten, das dem Leser Gänsehaut bereiten kann. Dabei bedient er sich nicht unbedingt vieler ungewöhnlicher Stilmittel, sondern schildert mit einfachen Worten das Unfassbare.
Auch mit vielen verschiedenen Namen muss der Leser sich nicht beschäftigen. Marc Hartkamp sieht das Ganze eher praktisch und verwendet einfach seinen eigenen.
Einige der Geschichten kommen eher harmlos daher, verbreiten aber dennoch ein zähes Grauen, das einen (un)wohlig erschauern lässt. Vielleicht ist es gerade die “Einfachheit” dieser Geschichten, die ohne viele Umwege direkt auf die Angst einwirkt.
Die Geschichten sind insgesamt keine literarische Meisterleistung, so viel sei gesagt. Aber das sind meine Buchbesprechungen auch nicht. Der einfache Leser, der sich gerne gruselt und nicht mit einen Happy End rechnet, kann hier bedenkenlos zugreifen. Abgesehen davon passt das kleine Taschenbuch perfekt in jede kleine Handtasche.
Leider kann ich diese Kurzgeschichtensammlung nicht ganz ohne negative Kritik vom Platz lassen. Dass sich viele Selfpublisher nicht unbedingt ein Korrektorat leisten (können), ist ja inzwischen allgemein bekannt. Von einer Verlagsveröffentlichung sollte man aber doch etwas mehr erwarten dürfen.
Leider war die Kommasetzung komplett daneben. Hier und da gab es auch Fehler in der Groß- und Kleinschreibung und zwei bis drei derbe Grammatikfehler sind mir auch aufgefallen. Wenn das jemandem wie mir (und ich bin nichts ohne meine Rechtschreibprüfung) schon auffällt, besteht wirklich Handlungsbedarf.

Fazit:
“Zu dunkler Stunde” enthält eine wirklich schöne Sammlung einfach gehaltener, aber dafür sehr unterhaltsamer und schauriger Kurzgeschichten. Mit knapp zwei Stunden war es ein eher kurzes aber dennoch schönes Lesevergnügen. Lieber Twilight-Line Verlag: Korrekturleser gibt es schon ziemlich günstig. Ich würde sie engagieren.

Details zum Buch:

Taschenbuch: 110 Seiten
Verlag: Twilight-Line Verlag GbR (24. Mai 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3941122886
ISBN-13: 978-3941122888
Größe und/oder Gewicht: 17,5 x 10,8 x 0,7 cm
Preis: EUR 8,99 für das TB und EUR 2,68 für das eBook
Zu dunkler Stunde von Marc Hartkamp kann man hier bestellen *klick*

Freitag, 21. Juni 2013

Endzeit-Foto-Wettbewerb

ENDZEIT-FOTO-WETTBEWERB

Bitte VOR der Teilnahme den kompletten Text lesen!
Horror and more lädt alle Blutbücher-Junkies zu einem Endzeit-Fotowettbewerb ein.
Zu gewinnen gibt es ganze sechs auf Wunsch signierte Bücher von Manuel Schenk.

2 x Dimension
2 x Totenwächter
2 x Dead Nerd


Sechs tolle Romane von Manuel Schenk zu gewinnen !!!

Der Autor Manuel Schenk erhält nach der Siegerehrung die Adressen mit Signaturwunsch und wird die Bücher dann eigenhändig versenden.
Und ich kann euch verraten, auf diese Gewinner bin ich jetzt schon ziemlich neidisch, denn ich habe bereits “Dimension” gelesen und rezensiert. Deswegen weiß ich, wie überaus gut er sein Handwerk versteht.
Die anderen beiden Bücher kenne ich leider noch nicht. Sie stehen aber weit oben auf meiner Wunschliste.

Nun kommen wir zur Aufgabenstellung:
Macht ein Foto von eurer Armageddon-Ausrüstung!
Das kann alles sein, was ihr bei euch im Haushalt findet. Was würdet ihr einpacken, wenn die Welt den Bach runter geht und ihr euch auf die lange Wanderschaft nach einem sicheren Ort mit anderen Überlebenden macht? Welche Gegenstände sind euch wichtig, lassen sich als Waffen missbrauchen oder müssen einfach nur mit, weil sie cool und nützlich sind?
Macht ein Bild von euren Survival-Pack und schickt es mit eurer Adresse und Signatur-Wunsch (ein bestimmter Name oder Text?) an:

horrorandmore@arcor.de

Beim Gedicht-Wettbewerb gab es insgesamt 12 Disqualifizierungen. Es wurde fleißig im Netz geklaut. Das ist sehr unschön und auch unfair den Teilnehmern gegenüber, die sich richtig viel Mühe gegeben haben. deswegen…

WICHTIG:
Legt dem Armageddon-Pack einen gut sichtbaren Zettel (nicht mit Bildbearbeitungsprogramm hinzufügen!) mit eurem Namen bei bevor ihr auf den Auslöser drückt, damit ich Bilderdiebstahl im Netz gleich ausschließen kann. Der Zettel muss auf dem Foto gut zu erkennen sein.
Vergesst eure Adresse und den Signatur-Wunsch nicht!
Es können nur Teilnehmer mit Wohnsitz in Deutschland teilnehmen.
Die Rechte an den Bildern bleiben natürlich bei euch.
Mit der Teilnahme stimmt ihr im Gewinnfall einer Veröffentlichung auf dieser Seite zu.
Die sechs originellsten Bilder gewinnen. Die Auswahl trifft eine unabhängige Jury.
Einsendeschluss ist Samstag, 29.06.2013, 23.59 Uhr

Und nun freue ich mich auf hoffentlich viele spaßige Einsendungen.
Viel Glück!!!

Donnerstag, 20. Juni 2013

760 Minuten Angst - Michael Schmid


760 Minuten Angst - Michael Schmid
Klappentext:
Sieben Personen. Sieben Handlungsstränge. Eine Schnitzeljagd. In Regensburg erhalten fünf junge Leute eine Einladung zu einer Schnitzeljagd. Sehr schnell erkennen die Mitspieler, dass es sich nicht um ein Kinderspiel handelt, sondern um eine Jagd auf Leben und Tod. Ihnen bleibt keine andere Wahl, als an diesem Alptraum teilzunehmen. Ihr eigenes und das Leben ihrer Liebsten steht auf dem Spiel. 760 Minuten pure Angst.

 
"760 Minuten Angst" ist der erste Roman von Michael Schmid, den ich gelesen habe. Nachdem ich schon viele positive Stimmen über seinen ersten Roman "Fragmente des Wahns" vernommen hatte, war ich dementsprechend gespannt auf dieses Buch.
Das Cover hatte mich gleich zu Beginn fasziniert und der Klappentext versprach eine interessante und rasante Handlung. Ich erwartete einen richtig blutigen, spannenden und düsteren Psychothriller, der mir die Nackenhaare aufstellt.
Da ich weiß, wie viel Herzblut und Mühe in so einem Buch steckt, fällt es mir in der Regel entsprechend schwer, an einem Roman herum zu mäkeln. Leider kann ich für "760 Minuten Angst" nicht die volle Punktzahl vergeben.

Die Ursachen dafür liegen bei mehreren Elementen.
Zunächst war mir die Anzahl der Charaktere schon zu viel. Bei der Einführung der Personen hatte ich zuletzt schon wieder vergessen, wer überhaupt am Anfang erwähnt wurde. Dadurch hatte ich Mühe, alles richtig zuzuordnen und bin immer wieder aus dem "Takt" gekommen.
Da wäre evtl. weniger mehr gewesen. Mit nur drei Kandidaten wäre ich höchstwahrscheinlich gut bedient gewesen.
Abgesehen davon, dass es fünf Schnitzeljagd-Kandidaten gibt, haben wir zusätzlich auch noch die Perspektive von "C", dem Veranstalter, wenn man das so nennen darf, und die der 14-jährigen Emilie. Wie auch schon im Klappentext vermerkt, sind wir also bei insgesamt sieben Erzählsträngen angelangt, die den einfachen Leser wie mich schlicht überfordern.
Durch die Menge der Charaktere geht dann irgendwo auch die nötige Tiefe verloren, die man als Leser benötigt, um einen Bezug zu erzeugen und das Mitfiebern in Gang zu setzen.
Die von "C" erwählten Kandidaten handeln mitunter ziemlich oberflächlich und zudem untypisch für eine so gefährliche Situation.

Ein weiteres Problem hatte ich auch mit dem Schreibstil. Es gab hin und wieder recht merkwürdige Formulierungen, die als Spannungskiller schlechthin wirkten. Andere Textpassagen fand ich wiederum total gelungen und eloquent, so dass ich es nicht verstehen konnte, warum der Autor nicht an diesem Schreibstil festgehalten hat.
Vielleicht haben das tolle Cover und der Klappentext falsche Erwartungen erzeugt. Ein weniger unschuldiger Schreibstil, mehr Rotz und mehr Härte hätten evtl. vieles gut gemacht.
Leider kam dann auch genau deswegen bei mir keine richtige Spannung auf.

Schließlich möchte ich aber noch erwähnen, dass ich die Story und die Idee dahinter wirklich gut fand. Es hätte ganz groß werden können, scheiterte aber dann irgendwie an der Umsetzung. Trotzdem wurden die Fäden am Ende schlüssig zusammen geführt, so dass man schließlich auch dahinter kommt, warum die ganze Aktion überhaupt stattgefunden hat.
Fazit:
"760 Minuten Angst" von Michael Schmid war mir ein bisschen zu "harmlos" und stilistisch nicht mein Fall. Ein schärferer, konsequenterer Sprachgebrauch und etwas mehr "Dreck" hätten dem Roman sehr gut getan. Nichts für mich - aber empfehlenswert für Leser, die es etwas braver mögen.


Details zum Buch:

Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Spielberg Verlag; Auflage: 1 (2013)
ISBN-10: 3940609919
ISBN-13: 978-3940609915
Preis: EUR 12,90


760 Minuten Angst hier als eBook oder als Taschenbuch bestellen

Sonntag, 2. Juni 2013

Der Teratologe - Edward Lee u. Wrath James White

Der Teratologe

Die beiden befreundeten Reporter Westmore und Bryant erhalten von ihrem Auftraggeber die Anweisung, den Multimilliardär John Farrington zu interviewen. Farrington führt Zeit seines Lebens ein eher geheimnisvolles Dasein. Von ihm existieren weder Fotos noch genauere Informationen über sein Privatleben. Allein deswegen schon sind die beiden Journalisten mehr als gespannt auf diesen Job. Schneller als ihnen lieb ist, befinden sie sich auf dem luxuriösen und hermetisch abgeriegelten Anwesen des Milliardärs, der sein Leben einem mehr als ungewöhnlichen Traum gewidmet hat. Farrington benutzt seinen Reichtum und seinen Einfluss, um etwas zu schaffen, was mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit, wenn nicht sogar ziemlich sicher, noch nie jemandem gelungen ist. Er will Gott herausfordern und ihn dazu bringen, ihm zu erscheinen.
Wer noch nie einen Roman von Edward Lee gelesen hat (von Wrath James White kenne ich leider noch nichts), wird wahrscheinlich bereits auf den ersten Seiten denken: “Großer Gott!” und sich in den nächstgelegenen Eimer übergeben. Wer jedoch bereits Werke von Lee kennt und zudem noch das Wort Teratologe googelt, kann sich in etwa denken, womit er zu rechnen hat.
Somit war ich nicht im geringsten überrascht, als ich mich lässig durch eine doch recht fantasievolle Aneinanderreihung sexueller und im höchsten Maße brutaler Exzesse mit missgebildeten Menschen las. Dank “Bighead”, “Der Besudler auf der Schwelle”, “Das Schwein” und allen anderen bisher erschienenen Werke von Lee, hebe ich inzwischen nur noch amüsiert eine Augenbraue, während der jungfräuliche Leser wahrscheinlich schon mit dem Stressherpes kämpft. Nicht, dass mich das nicht blendend unterhalten hätte. Es schockiert mich nur nicht mehr. Training ist alles.
Leider ist mir der Co-Autor Wrath James White überhaupt noch kein Begriff. So stellt sich mir also prompt die Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen ihm und Edward Lee vonstatten ging. Haben sie sich mit den Kapiteln abgewechselt? Hatten sie ein Brainstorming der abartigen Ideen und Lee hat sie nieder geschrieben oder war es sogar anders herum? Spontan könnte ich mir diese Fragen nicht selbst beantworten. Ich würde aber sofort daran glauben, dass “Der Teratologe” ein typischer Lee ist, weil mir der Schreibstil vertraut erschien und ebenso weil das Thema Religion wieder eine große Rolle spielt. Auch in diesem Roman wird das leuchtende und reine Bild, dass die Kirche ganz gerne nach außen hin zeigt, gewaltig angekratzt. Hier wirft der Leser einen Blick auf die düstere, menschliche Seite der Geistlichen und darf dabei sein, wenn diese freigesetzt wird.
Geld regiert die Welt. Wie vielseitig und manipulativ man es einsetzen kann, wenn der Betrag stimmt, ist auch so ein Punkt, den Lee gerne mal anspricht. Wer sich also im Dschungel der Perversitäten zurecht findet, entdeckt schließlich doch noch so etwas wie einen halbwegs sinnvollen Inhalt. Das und der wirklich gekonnte Schreibstil des/der Autoren rettet den Roman schließlich auch davor, endgültig in der Trash-Schublade zu landen.
Nachdem ich mich tapfer durch all den kranken Scheiß gelesen habe, erwarte ich eigentlich immer eine Belohnung in Form von fantastischen Inhalten. Diese bekomme ich dann schließlich auch geliefert – leider (wie bei “Das Schwein”) viel zu spät und vor allen Dingen viel zu wenig davon. Das explosive, fantastische, wirklich heftige und farbenprächtige Ende kam leider viel zu schnell und exekutierte die Story an der Stelle, an der sie für mich erst so richtig los ging. Trotzdem kann ich nicht aus meiner Haut und betrauere offiziell und ungeschönt das Ende dieses Romans. Ich hätte gerne noch länger daran gelesen. Das ist wohl das Geheimnis dieser Bücher. Sie enden dann, wenn man gerade richtig angefixt ist – so gerade eben die richtige Dosis, die man braucht, um schmachtend auf einen neuen Band zu warten.
Fazit:
“Der Teratologe” von Edward Lee und Wrath James White hält, was der Klappentext verspricht. Leser, die mit ihrem ersten Lee (sofern es nicht “Innswich Horror” war) bereits Probleme hatten, werden sicher auch mit diesem Buch nicht warm werden. Seid so gut und lest etwas, mit dem Ihr zurecht kommt. “Der Teratologe” ist für Hardcore-Fans, die wissen, was sie zu erwarten haben. Ich bin so jemand. Deswegen gebe ich grünes Licht für Gleichgesinnte und den erhobenen Zeigefinger für Stressherpespatienten.

Details zum Buch:
Verlag: FESTA, 24.05.2013; Buchreihe Extrem
Paperback Umschlag in Festa-Lederoptik
Autor: Edward Lee/Wrath James White
Übersetzung: Markus Mäurer
144 Seiten
keine ISBN
Dieses Taschenbuch aus der Reihe “Extrem” gibt es nur bei FESTA.
Zur Bestellmöglichkeit bitte HIER klicken.
Das eBook bekommt Ihr HIER

Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER