Freitag, 31. Mai 2013

Sommer, Sonne & Tod - Isabell Schmitt-Egner u. Xander Morus

Sommer, Sonne & Tod

Vorab bedanke ich mich ganz herzlich bei Isabell Schmitt-Egner, die mir ein Exemplar dieses Buches geschenkt hat, nachdem ich Interesse angemeldet hatte.

Ja, ich muss gestehen, langsam aber sicher bin ich süchtig nach den Werken der Horror-Schmiede von Isabell Schmitt-Egner und Xander Morus.
Inzwischen kenne ich bereits “Sand & Blut” von den beiden und habe mir kürzlich noch den Thriller “Follower” von Frau Schmitt-Egner einverleibt.
Dieses Büchlein hier mit dem fiesen Titel “Sommer, Sonne & Tod” enthält von beiden Autoren je zwei Kurzgeschichten. Worum es darin geht, werde ich nun näher erläutern. Inselwesen – Isabell Schmitt-Egner:
Gerd, Katharina und deren halbwüchsige Tochter Jessica genießen ihren Urlaub und krönen das Ganze als Highlight der Ferien mit einem Bootsausflug zu einer unbewohnten Insel, auf der sie ungestört picknicken und sonnenbaden wollen. Nach einigem Gemotze wegen des schäbigen Bootes, das Gerd gebucht hat, wird man sich schließlich doch noch einig und lässt sich zur besagten Insel bringen. Zunächst kommt es der Kleinfamilie nicht besonders merkwürdig vor, dass die beiden Einheimischen ihr Boot nicht verlassen wollen und die Familie sogar selbst mit einem Schlauchboot vom Boot zur Insel rudern lassen. Erst, als danach das Schlauchboot mit einem Seil wieder eingeholt wird und dann auch noch Katharina verschwindet, stellen sich erste Anzeichen von Panik ein.
Diese Geschichte ist schlicht, locker und unterhaltsam. Zuerst hatte ich Kannibalen vermutet. Dann merkte ich, dass ich komplett falsch lag. Die Idee hinter der Geschichte ist – zumindest für mich – völlig neu und hat mich blendend unterhalten. “Inselwesen” hat mir wirklich Spaß gemacht und mir ein ausgesprochen cooles Ende geliefert.
Der perfekte Köder – Xander Morus:
Der zwölfjährige Nick ist ein leidenschaftlicher Angler. Mit seinem eigenen kleinen Boot setzt er regelmäßig über den heimischen See zu einer kleinen Insel über, wo er in Ruhe seine Angel auswerfen kann. Selbst ist der kleine Mann. Deswegen hat er mit der Zeit seinen ganz eigenen, speziellen Köder entwickelt, mit dem das Angeln wie am Schnürchen klappt. Inmitten seiner Tagträume von Sandy Meier und seiner Lieblingsserie Seaquest DSV muss er feststellen, dass dieser Köder nicht nur Fische anlockt. Was Nick genau geangelt hat…müsst Ihr selber nachlesen.
Ganz ehrlich, ich mag die Shortstories von Xander Morus, die, genau wie hier, immer absolut unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern erzählt werden. Inzwischen habe ich festgestellt, dass Herr Morus gerne harmlos beginnt, den Leser so in Sicherheit wiegt, um dann im weiteren Verlauf der Geschichte wirklich gemein zu werden. Da kann dann auch gerne mal Blut fließen. Und seien wir mal ehrlich, das mögen doch die meisten von uns, oder?
Das Baag – Isabell Schmitt-Egner:
Bench, Katy, July und Daniel entdecken während einer gemeinsamen Reise in einer Höhle ein Artefakt, das deren Leben verändert. Dieser Gegenstand ist mit Worten nicht zu beschreiben. Man kann ihn nicht einmal erklären, wenn man genau davor steht. Er ist die Erfüllung der Träume eines jeden einzelnen von ihnen. Und er ist deren größter Albtraum. Ein Kampf um den Fund entbrennt. Jeder will ihn besitzen, doch leider gibt es nur einen davon.
Ich liebe diese Geschichte – ausgesprochen gut erzählt, spannend, vielleicht ein wenig vorhersehbar, jedoch deswegen nicht weniger unterhaltsam. Hier hatte ich mitunter oft dieses Feeling, das ich früher beim Lesen der Gespenster-Comics hatte. Eigentlich weiß man schon von Anfang an, wie es enden wird. Trotzdem genießt man jedes Wort und wünscht sich am Ende noch ein paar Seiten hinzu. Das ist die Art Geschichte, bei der man am Ende denkt: “Ihr wolltet ja nicht hören.” Von dem Stoff hätte ich gerne mehr gelesen.
Alle lieben Sandy Meier – Xander Morus:
Sandy Meier – kommt Euch der Name bekannt vor? So ging es mir nämlich auch. In dieser Kurzgeschichte treffen wir auf alte Bekannte aus der Stroy “Der perfekte Köder”. In dieser Geschichte lernen wir Alfred kennen, Auszubildender beim Dorfschmied, nicht der beliebteste Junge im Ort und trotzdem der, mit dem Sandy gerne zum Schwimmen gehen möchte. Das lässt sich Alfred natürlich nicht zweimal sagen und nutzt die Gelegenheit, um die vielumschwärmte Sandy näher kennen zu lernen. Aber will er das wirklich?
Ja, das habe ich mich am Ende auch gefragt, denn es hat wirklich gerockt. Es gefiel mir ausgesprochen gut, in dieser Geschichte auf bereits bekannte Namen und Orte zu stoßen. Demnach haben wir hier die liebe Sandy, den berühmten See und auch Nick (s.o.) findet hier wieder Erwähnung. Erneut fängt alles ganz harmlos an. Alles ist locker, leicht und fluffig bis zu dem Punkt, an dem Herr Morus sich dazu entschließt es ein wenig splattern zu lassen. Herrlich! Wer weiß, welche merkwürdigen Dinge sich in dieser noch merkwürdigeren Stadt außerdem abspielen. Hat Xander Morus dazu noch weitere Geschichten in der heimischen Schublade? Mich würde es jedenfalls freuen.
Fazit:
“Sommer, Sonne & Tod” aus der Horror-Schmiede von Isabell Schmitt-Egner und Xander Morus hat in allen Kategorien bei mir gepunktet. Viel zu schnell hatte ich das eher dünne Büchlein verschlungen und eigentlich hätte ich jetzt ganz gerne noch mehr davon. Toll geschrieben, unterhaltsam, spannend und mitunter blutig. Für die ganz Pingeligen unter den Lesern: Es war wirklich gut korrigiert und lektoriert. Lediglich ein falsches Wort ist mir ins Auge gesprungen. Und wisst Ihr was? Drauf gesch….. !
Kauft es Euch einfach. Es hat wirklich Spaß gemacht.

Details zum Buch:

  • Taschenbuch: 124 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (28. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1479211532
  • ISBN-13: 978-1479211531
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,6 x 1 cm
  • EUR 6,95
Dieses Buch könnt Ihr HIER bestellen.

Ligeia - John Everson

Ligeia – John Everson
Evan und Sarah hatten wahrlich schon bessere Tage miteinander. Der Tod ihres einzigen Sohnes Josh, der im Meer ertrank, hat das Leben des Paares in einen Moloch aus Trauer und Alkohol verwandelt. Abgesehen davon, dass an ein harmonisches Eheleben schon lange nicht mehr zu denken ist, geht jeder der beiden verwaisten Elternteile seine eigenen Wege. Sarah betrinkt sich nahezu jeden Abend im Pub, während es Evan immer wieder an den Strand zieht, wo er sich ganz seinen Erinnerungen und seiner Trauer hingibt.
Das alles nimmt ein jähes Ende, als Evan der wunderschönen, geheimnisvollen Ligeia und ihrem Gesang verfällt. Auf einmal ist nichts mehr wichtig, außer sich jeden Abend mit dieser Frau zu treffen. Und obwohl Evan, der nicht schwimmen kann, unter panischer Angst vor dem Wasser leidet, findet er sich irgendwann mitten im Meer stehend wieder – angelockt von Ligeias Gesang. Trotz seiner Leidenschaft für die verführerische Ligeia kann und will Evan sich nicht endgültig für sie entscheiden. Das muss er auch nicht, denn Ligeia trifft diese Entscheidung für ihn.

“Ligeia” war mein erster Roman von John Everson. In der Regel bin ich mit nahezu allen Büchern aus dem Hause FESTA immer gut gefahren. Der Klappentext, wenn dieser auch, wie ich im Nachhinein empfand, ein wenig zu sehr spoilert ( Der Teil, wo Sarah ihr Leben aushaucht und Evan auf den Meeresgrund entführt wird, findet nämlich erst im letzten Drittel statt), versprach mir eine tolle Story. Das wirklich wunderschöne Cover schrie förmlich “Kauf mich!”. Wie konnte ich da widerstehen?
Ehe ich mich versah, war ich auch schon mitten drin in dieser packenden Geschichte, die dem Märchen von der Meerjungfrau einen völlig neuen Look verpasst. Ligeia hat vielleicht mehr Sexappeal als Arielle, ist aber nicht annähernd so friedfertig. Obwohl sich in diesem Roman so ziemlich alles um sie dreht, bleibt sie charakterlich trotzdem ein wenig blass. Nun ja, wahrscheinlich ist es eher schwierig, einem Monster so etwas wie einen Charakter zu geben. Evan und Sarah sind dagegen für den Leser absolut deutlich in ihrem Wesen. Hier hat John Everson, wie ich finde, ganze Arbeit geleistet. Die Trauer um Josh, die Leere, die Verzweiflung und der Schmerz ziehen sich wie ein trauriges, schwarzes Band durch die ganze Geschichte. So manches Mal hat es mir deswegen wirklich die Luft abgeschnürt. Eigentlich kann man das nur beschreiben, wenn es einem selbst passiert ist. Ich wünsche es John Everson nicht und hoffe, er hat es einfach nur drauf.
Die Story lebt insgesamt von viel Gefühl und einem unkomplizierten Sprachgebrauch. Ehe man sich versieht, hat man die erste Hälfte des Romans bereits in sich aufgesaugt.
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Rückblenden. Hier sind die regelmäßigen Sprünge ans Ende des 19. Jahrhunderts jedoch äußerst unterhaltsam und Willkommen. Es werden zahlreiche Informationen über Ligeia geliefert, die man einfach wissen will und muss. Das gibt der insgesamt sehr gelungenen Story den letzten Schliff.
Wo sich auf der einen Seite die Freunde von gefühlvollen Szenen absolut wohl fühlen, dürfen sich auch die Horrorfans über zahlreiche Action- und Splatterszenen freuen. Ligeia lässt es mitunter ordentlich krachen und sorgt damit zwischendurch für Speed. Erotische Szenen gibt es natürlich reichlich und damit macht Ligeia ihrem Ruf als verführerische Sirene dann auch alle Ehre. So mancher Leser dürfte an einigen Stellen ein wenig – sagen wir mal – zappelig werden.
Haben wir ein Happy End? Ich wäre mir da nicht so sicher. Der Ausgang der Story lässt auf jeden Fall ein Hintertürchen offen. Eine Fortsetzung wäre theoretisch möglich und von meiner Seite aus auch durchaus gewünscht. Immerhin habe ich dieses Buch in nur zwei Sitzungen vernichtet.
Fazit:
“Ligeia” von John Everson hat meinen Erwartungen in vollem Umfang entsprochen. Dieser Roman ist ein gekonnter Mix aus Horror, Erotik und Drama, angelehnt an uralte Legenden, die die Menschen sich schon seit Jahrhunderten erzählen. Mir hat er ausgesprochen gut gefallen und ich warte gespannt auf weitere Veröffentlichungen von John Everson.
Details zum Buch:

  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Festa; Auflage: 1 (26. Mai 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865521886
  • ISBN-13: 978-3865521880
  • Originaltitel: Siren
Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER.
Das Taschenbuch kann man HIER bestellen.

Das eBook bekommt Ihr HIER.

Stillmanns Münzen - Christian Sidjani

Stillmanns Münzen
Ganz herzlichen Dank an Christian Sidjani für das Rezensionsexemplar mit der wunderbaren Widmung im Inneren.
Inhalt laut Klappentext:
Michael Martens glaubt an einen nächtlichen Begleiter, der ihm seit Jahren Geschichten diktiert. Zwischen Wahn und Realität entdeckt er Zusammenhänge in Zufällen, die mit der Zahl 1973 verbunden sind. Bei seinen Recherchen stößt er auf beängstigende Parallelen zu einer Geschichte, die sich nicht sein Begleiter sondern er sich selbst ausdachte.
Alles erscheint nun miteinander verbunden und ein hagerer Mann wird zu seinem Zentrum. Michael nennt ihn Stillmann…
Die Schauernovelle “Stillmanns Münzen” ist mit Sicherheit nicht das, was die Fans des Horrorgenres erwarten würden. Auch ich habe letztlich nicht das bekommen, was ich erwartet hätte, würde ich nicht bereits andere Werke von Christian Sidjani kennen. Als Fan von actionreicher und mitunter sehr blutrünstiger Literatur habe ich mich dieses Mal auf völlig fremdes Terrain begeben.
“Stillmanns Münzen” ist kein Pageturner, kein “in-einem-durch-Verschlinger” und auch kein Stoff, den man mal eben schnell nebenher inhaliert.
Dieses kleine Büchlein ist mehr. Mit anderen Worten, es ist keine Trivialliteratur. Es ist in der Tat Literatur. Dieses sprachlich recht ausgefeilte Werk fordert den Leser in jeder Hinsicht. Man muss sich dafür Zeit nehmen, um sowohl inhaltlich als auch stilistisch zurecht zu kommen. Hat man sich einmal daran gewöhnt, mit einem gewissen Anspruch zu lesen, hat man an diesem Werk durchaus seine Freude. Denn das ist es, worauf es hier ankommt.
Da mir vorher bereits Werke dieses Autors bekannt waren, wusste ich also, was ich zu erwarten hatte. Dementsprechend habe ich den gehobenen Sprachgebrauch, das Spiel mit Worten und Inhalten und das angedeutete Grauen einer womöglich wahnhaften Verschwörung genossen.
Ferner haben wir hier das Vergnügen einer “Geschichte in der Geschichte”, wobei die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verschwimmen scheinen. Mitunter erwachte in mir der Forschungsdrang, so dass ich die mysteriöse Zahl 1973 selber gegoogelt habe. In diesem Sinne hat “Stillmanns Münzen” auch eine interaktive Funktion. Auf der Hompepage von Christan Sidjani gibt es tatsächlich echte Hintergrundinformationen dazu.
Christian Sidjani ist ein Autor, dessen Werke sich nicht in eine bestimmte Schublade stecken lassen. Inzwischen habe ich verschiedene Kurzgeschichten von ihm gelesen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir haben es hier mit einem Schriftsteller zu tun, der mit seinem Tun verschiedene Persönlichkeiten erschafft, denen er ein Eigenleben verleiht. Diese Persönlichkeiten haben eigene Stile, eigene Charaktere und vor allen Dingen eigene Pseudonyme, die wiederum eigene Bücher veröffentlichen.
Fakt ist jedenfalls, dass sich seine Werke qualitativ um ein Vielfaches von denen anderer Indie-Autoren positiv abheben. Dieser Punkt trifft auch auf “Stillmanns Münzen” zu.
Fazit:
“Stillmanns Münzen” sollte eigentlich die volle Punktzahl erhalten, weil es eines der seltenen Werke ist, auf die man noch den Begriff  “Schreibkunst” anwenden kann. Auf Amazon muss ich mit einem weinenden Auge ein Pünktchen abziehen, weil ich diese Art Literatur einfach nicht der breiten Masse empfehlen kann. Wer auf Axtmörder und Gespenster hofft, ist hier an der falschen Adresse. Wer jedoch eine anspruchs- und stilvolle Schauernovelle zu schätzen weiß, kommt an “Stillmanns Münzen” eigentlich gar nicht vorbei.
Details zum Buch:
  • Taschenbuch: 100 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (1. Mai 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1484083954
  • ISBN-13: 978-1484083956
  • Größe und/oder Gewicht: 20,3 x 12,7 x 0,6 cm
Dieses Buch könnt Ihr HIER bestellen.

Montag, 20. Mai 2013

Follower - Isabell Schmitt-Egner

follower
Daniela ist Reinigungskraft in einem Seniorenheim und lebt eigentlich ein ganz normales, unauffälliges Leben – wäre da nicht ihr Hobby, ihr Ein und Alles. Sie ist nämlich auch ein leidenschaftlicher Fan der Daily Soap “Berlin im Herzen” oder auch kurz BIH genannt. Diese Fernsehserie, insbesondere einer der Hauptdarsteller, Kiran Advani, hat es ihr besonders angetan. Außer diesem Mann gibt es in ihrem Leben nicht wirklich Platz für andere Dinge. Für Daniela gibt es eigentlich nur zwei Dinge, die neben essen, schlafen und arbeiten auf dem Tagesplan stehen: BIH schauen und in einschlägigen Fan-Foren kommentieren.
In ihrer Fantasie liebt Kiran Advani sie ebenso sehr, wie sie ihn und sie sind schon lange ein Paar. Der Traum, diesem Mann auch real näher zu kommen, rückt in greifbare Nähe, als Daniela bei einem Gewinnspiel des Fernsehsenders eine Komparsenrolle gewinnt. Daniela sieht ihre große Chance gekommen und noch kann niemand ahnen, wie sehr diese Sache aus dem Ruder laufen wird.
Bisher kannte ich Isabell Schmitt-Egner nur durch das Gemeinschaftsprojekt “Sand & Blut” mit Xander Morus. In diesem Doppelthriller, wenn man das so nennen darf, begeisterte sie mich mit ihrem Thriller “Sandbank” gleich so sehr, dass ich nicht umhin konnte, nach weiteren Werken von ihr Ausschau zu halten.
“Follower” präsentiert sich mir nicht als knapper Kurzthriller, sondern als ausgewachsener Psychothriller mit einem satten Umfang von 335 Seiten.
Während die meisten Charaktere nur grob angerissen werden, bekommt der Leser ein tiefgehendes und äußerst klares Bild von Daniela, deren Obsession für Kiran sich Schritt für Schritt in einen ausgewachsenen Wahn steigert. Diese Entwicklung vollzieht sich eher schleichend, dafür aber gnadenlos. So kommt Daniela anfangs als etwas überdrehter Fan daher, um im Laufe der Geschehnisse immer mehr zu einer geisteskranken Persönlichkeit zu mutieren.
Diese Entwicklung vollzieht sich parallel zum Schreibstil. Zu Beginn liest sich der Thriller eher simpel und irgendwie naiv. Mit fortlaufender Handlungsdichte und ebenso fortlaufender Geisteskrankheit wird dann auch der Schreibstil komplexer. Die Illusionen, in die Daniela sich hinein steigert, sind mitunter anstrengend und streckenweise kaum noch zu ertragen. An solchen Stellen findet dann meist ein Wechsel der Perspektive statt, der dem Leser Gelegenheit gibt, sich kurz von Danielas kranker Psyche zu erholen.
Ich finde die Darstellung insgesamt sehr gelungen, zeigt sie doch auf gekonnte Weise einen Seiltanz zwischen der einerseits total zerrissenen Daniela, die es ständig ihrer dominanten Mutter und allen anderen Recht machen will und der Gefährlichkeit, die sich aus diesem Bedürfnis nach Anerkennung ergibt. Man ist eigentlich ständig hin- und hergerissen. Einerseits möchte man Daniela am liebsten erschlagen und andererseits hofft man, dass ihr endlich jemand gibt, wonach sie so sehr verlangt, damit sie ihren Frieden finden kann.
Nebenher nimmt Isabell Schmitt-Egner noch gekonnt die deutschen Daily Soaps aufs Korn, deren kommerzielle und klischeebehaftete  Vorhersehbarkeit in “Follower” zum wirksamen Stilmittel wird.
Wenn auch die Idee insgesamt nicht allzu neu ist, habe ich mich trotzdem sehr gut unterhalten und das Buch in ca. vier Stunden an einem Stück verschlungen. “Follower” kommt komplett ohne “porn and blood” aus und kann trotzdem ausgezeichnet unterhalten, ohne übertrieben die Schockertrommel zu schlagen.
Das Ende hat mir gut gefallen – hinterhältig und gemein – wie ich es mag.
Schließlich sei noch anzumerken, dass Isabell Schmitt-Egner das gesamte Werk im Alleingang gestemmt hat. Lektorat, Korrektorat, Satz und Covergestaltung hat sie komplett allein bewerkstelligt. Wenn ich mich recht erinnere, sind mir vielleicht zwei winzige Fehlerchen aufgefallen. Sprachlich und stilistisch erschien mir das Gesamtwerk einwandfrei und absolut verlagstauglich. Respekt, Frau Schmitt-Egner! Eigentlich sollten die Verlage bei Ihnen Schlange stehen. Das war sicherlich nicht mein letzter Roman aus Ihrer Schmiede.
Fazit:
“Follower” von Isabell Schmitt-Egner ist ein spannender und stilistisch einwandfreier Thriller, der mich ausgezeichnet unterhalten und über Stunden vom Schlafen abgehalten hat. Gerne mehr davon. Wer es unblutig und trotzdem fesselnd mag, ist mit “Follower” bestens bedient.
Details zum Buch und Bestell-Link:
  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (19. November 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1481025848
  • ISBN-13: 978-1481025843
  • Größe und/oder Gewicht: 20,3 x 12,7 x 2,1 cm
  • Preis: Eur 11,95
Das Taschenbuch kann man HIER bestellen.

Freitag, 10. Mai 2013

Töte John Bender - Vincent Voss


Vorab geht mein Dank an den LUZIFER Verlag für dieses Rezensionsexemplar.
Tom Breuer ist ein Coach der besonderen Art. Gemeinsam mit seinem Angestellten Jens bietet er Seminare für Führungskräfte an. Auf der dänischen Südseeinsel Tyreholm bringt er verschiedene Manager und Chefs “back to the roots”, indem sie unter einfachsten Bedingungen lernen sollen, miteinander umzugehen. Dazu gehören Dinge wie Feuer machen, Wasser suchen und eine Unterkunft bauen. Normalerweise läuft das Geschäft sehr gut und die Seminare sind gut besucht und teuer. Dieses Mal ist jedoch alles anders und es geschehen Dinge, die so nicht von Tom geplant waren. Außer der Seminar-Gruppe scheint noch eine weitere Person auf der Insel zu sein und diese Person setzt alles daran, das Seminar zu sabotieren und Tom in Bedrängnis zu bringen. Tom nimmt die Herausforderung an und beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen – möglichst, ohne die Seminar-Teilnehmer merken zu lassen, dass etwas nicht in Ordnung ist.
“Töte John Bender” ist inzwischen der dritte Roman von Vincent Voss, den ich am liebsten in einem Rutsch inhaliert hätte, wenn ausreichend Freizeit vorhanden gewesen wäre.
Wie auch in  den beiden Romanen zuvor (172,3 und Faulfleisch), versteht Vincent Voss sein Handwerk und hat mich gleich von der ersten Seite an komplett für die Story eingenommen.
Schon die Charaktere sind sehr gut gelungen und machen richtig Spaß. Tom Breuer ist ein Mensch, der nur auf den ersten Blick sympathisch erscheint. Er, der erfolgreiche Coach und Geschäftsmann, ist eigentlich ein von sich selbst eingenommener, Kette rauchender Frauenheld, der sich selbst für das Maß aller Dinge hält. Er stellt seine Kompetenz weit über die seines Angestellten Jens. Allerdings wird dem Leser sehr schnell klar, dass Tom eigentlich ein Opfer seiner eigenen Selbstüberschätzung ist und Jens gar nicht so unfähig ist, wie Tom es gerne hätte.
Die Seminar-Teilnehmer wurden charakterlich ganz wunderbar ausgearbeitet. Nahezu jeder von ihnen ist nicht das, was er anfangs zu sein scheint. Alle haben so ihre Geheimnisse und sorgen zwischendurch immer wieder für Überraschungen.
Vincent Voss lässt sich mit der Entwicklung des Plots etwas Zeit und gibt dem Leser genügend Gelegenheiten, in die Falle zu tappen und einigen falschen Fährten auf den Leim zu gehen. Das ist, wie ich finde, wirklich gut gelungen, denn auch ich bin reingefallen und habe mindestens zwei Mal falsche Schlüsse gezogen. So gesehen treibt auf der Insel jemand ein falsches Spiel mit Tom und Vincent Voss macht das selbe mit seinen Lesern.
Die Auflösung ist schließlich eine echte Überraschung und ließe theoretisch sogar eine Fortsetzung zu. Mehr will ich aber dazu nicht sagen, weil es sich auch so schon hart an der Spoiler-Grenze bewegt.
Insgesamt gibt es einige wirklich gelungene Spannungsmomente, die sich dem Leser in einer herrlich knisternden Atmosphäre präsentieren. Die Fans von übertriebener Gewaltdarstellung und exzessiven Sex-Szenen kommen hier evtl. ein wenig zu kurz. Obwohl nur wenig Blut und Erotik vorhanden sind, kommt der Roman komplett ohne Übertreibungen in diesen Bereichen aus und punktet stattdessen mit Atmosphäre und Intelligenz.
Schließlich bleibt mir noch zu sagen, dass es eine Schande ist, dieses Buch mangels Lesezeit zu oft zu unterbrechen, weil es eigentlich ein “In-einem-durch-Verschlinger” ist. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich einige Stunden dafür reservieren, um es angemessen auszukosten.
Abschließend noch meinen zähneknirschenden Dank an Vincent Voss für diesen hundsgemeinen Ohrwurm aus den Achtzigern. “Don’t you (forget about me)” von den Simple Minds begleitet den Leser quer durch die Lektüre und lässt ihn dieses Lied den ganzen Tag vor sich hin pfeifen.

Fazit:
“Töte John Bender” von Vincent Voss ist ein intelligent gestrickter Thriller, der mit Sicherheit allen Fans des Genres die zu erwartende, wohlige Gänsehaut liefert und sie gekonnt dazu bringt, den Haushalt und familiäre Pflichten schleifen zu lassen. Dafür gibt es eine absolute Kaufempfehlung von mir.

Details zum Buch:

  • SoftCover: 260 Seiten
  • Verlag: Luzifer; Auflage: 1 (24. April 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3943408132
  • ISBN-13: 978-3943408133
  • Preis: EUR 13,95 für das Taschenbuch und EUR 4,99 für das eBook
Wenn Ihr den Verlag unterstützen möchtet, bestellt das Buch bitte HIER und nicht bei den großen Händlern!

Armageddon 1 – Gottes letzte Kinder - D. J. Franzen




Wieder nur eine weitere ermüdende Zombie-Geschichte?
Nein! Aber beginnen wir doch einfach am Anfang.
Deutschland – Köln, um genau zu sein – ist der Schauplatz dieses abgefahrenen Zombie-Spektakels. Wir lernen Frank kennen, der, seines Zeichens ehemaliger Diplom-Ingenieur, nun zum selbstversorgenden Überlebenden mutiert. Ausgestattet mit einem spaßigen Sinn für paranoide Anwandlungen, traut er dem Braten einer angeblichen Supergrippe nicht und beginnt schon vor dem Ausbruch der eigentlichen Seuche, sich mit Vorräten und allerlei anderen nützlichen Gegenständen einzudecken. Als diese langsam zur Neige gehen, sieht er sich gezwungen, seine “Festung” zu verlassen, um für Nachschub zu sorgen. Dabei kommt es, wie es kommen musste. Er trifft auf weitere Überlebende. Gemeinsam mit Sandra, einer ehemaligen Porno-Darstellerin und Patrick Stark, einem Pfarrer, beschließt er, eine Gruppe von Kindern zu retten, deren Notruf ihn über Funk erreicht. Sandra, Frank und Stark sollen sehr schnell erfahren, dass diese Kinder besonders sind. Wie besonders genau, erfährt der Leser auf den kommenden 116 Seiten und ebenso in den Bänden danach.

Mal ganz abgesehen von den wirklich coolen Charakteren, die in meiner Vorstellung bereits fest verankert sind, punktet D.J. Franzen noch mit einem herrlich lockeren und zum Teil frechen Schreibstil. Wer nun glaubt, dass die gesamte Story ulkig und locker daher kommt, ist an dieser Stelle gewaltig auf dem Holzweg. Der Autor versteht es nämlich ausgezeichnet, an den richtigen Stellen den perfekten Ton zu treffen. So kann es also passieren, dass man sich gerade noch köstlich amüsiert hat, um im nächsten Moment mit Tränen in den Augen auf die Buchseite zu starren.
Die Story ist sozusagen ein wahrer Stimmungsregenbogen und der Spagat zwischen Unterhaltung und Faszination ist ausgesprochen gut gelungen.
Die absoluten Highlights für mich sind aber die Besonderheiten in der Story selbst, die – für einen Zombieschmöker völlig untypisch – einen wesentlichen Bestandteil der Handlung ausmachen. So haben wir also paranormal begabte Kinder, einen intelligenten Superzombie und Mächte zwischen Himmel und Erde, die es sich nicht nehmen lassen, beim gerade stattfindenden Armageddon mitzumischen. Unsere altmodische Vorstellung von gut und böse wird dabei gewaltig auf den Kopf gestellt. Splatter und Sex stehen hier nicht an erster Stelle (obwohl in angemessenem Maße vorhanden). “Armageddon” besticht stattdessen mit einer außergewöhnlichen Storyline und einem unfassbar hohen Unterhaltungswert.
Insgesamt liest sich diese Lektüre unterhaltsam, spannend und vor allen Dingen fesselnd. Nur selten gelingt es einem Buch, mich von meinem dringend benötigtem Schlaf abzuhalten. Tatsächlich konnte ich nicht aufhören, bis ich alles verschlungen hatte. “Armageddon 1″ hat meine Freizeit gerockt. Ich bin, ohne Übertreibung, hin und weg.

Für diese Reihe sind insgesamt zwölf Teile geplant, wovon bereits acht Teile erhältlich sind. Am Ende eines jeden Buches gibt es eine Vorschau auf den nächsten Teil.
Auch Teil zwei habe ich noch in der gleichen Nacht völlig gefesselt inhaliert und die beiden nächsten Bände sind bereits bestellt.

Fazit:
“Armageddon, die Suche nach Eden” von D.J. Franzen lässt andere Reihen dieses Genres einfach nur noch blass aussehen.
Ganz ehrlich betrachtet, kann ich nicht einmal sagen, ob mich “Tagebuch der Apokalypse 3″ oder auch “The walking dead” nun überhaupt noch reizen können. Wer langatmige, zwischenmenschliche Lückenfüllerszenen sowie endlose Rückblicke satt hat und endlich mal richtig unterhalten werden möchte, kommt an “Armageddon” nicht vorbei. Kaufempfehlung? Aber hallo!
Details zum Buch:
Reihe: Armageddon, die Suche nach Eden, Band 1
Autor: D. J. Franzen
Verlag: Begedia
Erschienen: Oktober 2012
116 Seiten
Taschenbuch
ISBN 978-3943795219

EUR 5,96 für das Taschenbuch und EUR 2,99 für das eBook
Das Taschenbuch kann man HIER bestellen.
Das eBook gibt es HIER.
Eine Übersicht der bisher erschienenen Teile kann man HIER einsehen.
Und wer es sich einfach machen möchte, bestellt HIER am besten gleich das Abo.
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