Samstag, 29. Oktober 2011

Vampirjäger - Richard Laymon



Das sagt der Festa Verlag zum Inhalt:

Zehn Jahre hat Sam vergeblich nach seiner Jugendliebe Cat gesucht, und jetzt steht sie plötzlich vor der Tür. Und sie hat ein Problem: Nacht für Nacht wird sie von einem Vampir heimgesucht. Cat bittet ihn, den Blutsauger zu töten – aber Sam muss sich beeilen, denn es ist bereits kurz vor Mitternacht.

Dies ist garantiert der ungewöhnlichste Vampir-Roman, der je geschrieben wurde. Ein Mix aus Blut, Erotik und schwarzem Humor.



Das sage ich:

Sam hat sich sein Wiedersehen mit Cat sicherlich nicht so turbulent vorgestellt, wie wir es auf den folgenden über 400 Seiten präsentiert bekommen.
Was anfangs ein Vampirroman zu sein scheint, entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einem turbulenten Roadmovie, der es mächtig in sich hat.
Kaum zu glauben, aber Vampirismus spielt in diesem Roman nur eine untergeordnete Rolle. Laymons blühende wie gleichermaßen schon annähernd abartige Fantasie gibt dem Leser was er verlangt. Wir kommen kaum zum Luft holen, geschweige denn zum Ausruhen. Eine Katastrophe jagt die Nächste. Immer wenn man glaubt, dass es jetzt vorbei ist, kommt der nächste Hammer auf einen zugerast. In genau diesem Rhythmus hetzt Laymon uns zum finalen Showdown, der es in sich hat. Zum Ausgang der Geschichte wäre jedes Wort zuviel verraten. Für mich hätte es noch weitere 500 Seiten lang so weiter gehen können. Der Roman war an keiner Stelle langatmig oder fad. Laymon bleibt seiner Linie treu und hält sich nicht mit seitenlangen Beschreibungen und einschläfernden Dialogen auf. So bleibt ein stetiger und unterhaltsamer Handlungsablauf erhalten, dem man mühelos folgen kann und will. Schade, dass ich schon durch bin.

In einer Diskussion über Laymon bei Facebook las ich den Satz: "Von dem lese ich nie wieder was. Der ist ja krank!"

Wenn es krank ist, Laymon zu mögen, wünsche ich keine medizinische Versorgung!


"Vampirjäger" von Richard Laymon ist erhältlich als Taschenbuch mit 448 Seiten für 13,95 Euro beim Festa Verlag

Für eine kostenlose Leseprobe HIER KLICKEN!


Montag, 24. Oktober 2011

Die Stadt - Andreas Brandhorst




Zwischen Himmel und Hölle – der neue Andreas Brandhorst

Nach einem Unfall ist es für Benjamin Harthman, eines der Opfer, schon zu spät: Er ist tot. Doch dann wacht Harthman wieder auf, mitten in einer seltsamen Stadt, einer Stadt voller verstorbener Menschen. Ist es das Paradies oder gar die Hölle? Benjamin Harthman macht sich auf die gefahrvolle Suche nach dem Geheimnis dieses seltsamen Ortes …

Nachdem dieser Klappentext meine Neugierde aufs Äußerste entfacht hatte, konnte ich nicht mehr anders und mußte mir den Roman kaufen.

Benjamin erwacht in dieser seltsamen Stadt und sieht sich mit einer merkwürdigen Realität und ihren Bewohnern konfrontiert. Gefangen in einer Welt aus Geheimnissen und düsteren Begebenheiten, versucht er sich zurecht zu finden und nach und nach die Antworten auf all seine Fragen zu finden. Dabei lernt er nicht nur die Bewohner der Stadt und deren Geschichten, sondern auch sein inneres Selbst kennen.
Man darf an dieser Stelle nicht mehr verraten. Ab hier beginnt schon die Auflösung der Handlung.

Erwartet hatte ich eine Mischung aus Science-Fiction und Horror. Bekommen habe ich einen Fantastik-Thriller mit philosophischen Ansätzen.
Was wie ein Horrorthriller beginnt, wendet sich nach und nach in einen Thriller, wie man ihn von Sebastian Fitzek kennt. Der Schreibstil ist anfangs etwas lahm, so dass man Mühe hat, der Geschichte weiter folgen zu wollen. Jedoch versteht Brandhorst es blendend, die Grenze zur Langeweile nicht zu überschreiten. Man möchte wissen, wie es weiter geht, obwohl man eigentlich schon keine Lust mehr hat. Das liegt daran, dass Brandhorst einem immer wieder kleine Häppchen zur Auflösung der Story hinwirft, die einen dazu animieren, noch ein paar Seiten mehr lesen zu wollen. Letztlich muss man sich durch über 500 Seiten kämpfen, um zu einer doch sehr gelungenen Auflösung zu kommen.
Neben mäßiger Unterhaltung hat mir der Roman einige Denkanstöße über das Sein und die Seele gebracht. Insgesamt hat es mich aber leider nicht vom Hocker gehauen. Ich gebe zu: Ich mag Trivialliteratur. Ein Roman muss mich in seinen Bann ziehen, mich berühren, schockieren und den ganzen Tag beschäftigen. Das ist Brandhorst hier leider nicht gelungen. Mein Hirn ist nur bereit, über ein Buch nachzugrübeln, wenn eben genannte Bedingungen vorher erfüllt wurden. Nur anspruchsvoll allein reicht mir nicht. Ich brauche Action.
Dennoch ein interessantes Werk. Mal was Anderes.

Erhältlich beim Heyne Verlag über Randomhouse für 14,00 Euro mit 592 Seiten 




Samstag, 15. Oktober 2011

Die Bestien - Brett McBean

Mit bestem Dank an den Festa Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.








Inhalt laut Festa Verlag:

Jim Clayton will nie wieder in den Knast, wo er achtzehn Jahre lang schmorte. Nie wieder darf er die Beherrschung verlieren. Doch dann landet er in einer winzigen Stadt und sieht, wie ein Mann ein junges Mädchen mit einem Gürtel blutig schlägt. Als er eingreift, schießt man ihn einfach nieder …

Am nächsten Morgen führt man ihn einer Gruppe von Jägern vor. »Er dachte, er könnte in unsere kleine Stadt platzen und einen Polizei-Chief verprügeln, ohne dafür bestraft zu werden.«
Ein tiefes Kichern schwappte durch die Gruppe.
»Nun, hier regeln wir die Dinge ein wenig anders, Jim. Hier lassen wir Gott über dein Schicksal entscheiden. Kein Gericht, keine Anwälte, nichts als die wunderschönen Blue Ridge Mountains und einige unserer besten Jäger, die Jagd auf dich machen. Es ist ziemlich einfach. Wir geben dir zehn Minuten Vorsprung.«

Ich sage:
Oh mein Gott! Nach einigen Romanen von Laymon, Ketchum und Co. glaubte ich, schon ALLES gelesen zu haben, was das Hirn eines Horrorautors hervorbringen kann. Bei "Die Bestien" habe ich mich völlig überschätzt, und ich war bei Weitem nicht gefasst auf das, was mich da überfallen sollte.
McBeans Debütroman "Die Mutter" war bereits ein hartes Stück Horrorliteratur, konnte mich jedoch nicht so sehr vom Hocker reissen, wie ich es von einem solchen Buch erwarte.
Das dachte sich wohl auch McBean, als er mit "Die Bestien" gnadenlos noch Einen drauflegte.

Wir werden hier konfrontiert mit Inzest, blutigsten Grausamkeiten, hoffnungslos irren Hinterwäldlern und noch hoffnungsloseren Aussichten für Jim Clayton, diese Geschichte zu überleben.
Fantastische Elemente, die ich aufgrund erhöhter Spoilergefahr nicht näher ausführen möchte, runden das Höllenszenario gekonnt ab.
Immer, wenn man glaubt, man hält es kaum noch aus, und es kann eigentlich nicht mehr schlimmer kommen, bekommt man gnadenlos noch einen weiteren Schocker übergebraten.
Zart besaitete Seelchen sollten lieber einen Stephen King zur Hand nehmen. Wahre Horrorfans kommen hier voll auf ihre Kosten. Wenn man mit schlaflosen Nächten und brutalsten Fantasien umgehen kann, hat man mit "Die Bestien" die ideale Lektüre in der Hand.
Ich bin jetzt noch völlig geflasht. Dieser Roman ist verstörend gut. Die erste Seite dieses Romanes aufzuschlagen ist, wie die die Büchse der Pandora zu öffnen. Danach gibt es keine Entkommen mehr. Genial! Danke, Brett McBean! Danke Festa Verlag!

Hier gibt es eine kostenlose Leseprobe.

Erhältlich als Taschenbuch seit August 2011 mit 352 Seiten für 13, 95 Euro



Montag, 10. Oktober 2011

Tagebuch aus der Hölle - Jeffrey Thomas

Mit bestem Dank an den Festa Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.



Das sagt der Festa Verlag über den Inhalt:

Die Warnung eines Toten an uns, die noch Lebenden
Dies sind die Aufzeichnungen eines Mannes, der nach seinem Selbstmord in der Hölle erwacht – denn dort landen alle Menschen, außer bibelfeste Christen. Fragt den Papst, der wird es Euch bestätigen.
Eine Welt des Leidens und ewigen Sterbens
Wie all die anderen armen Seelen muss der Mann endlose Qualen ertragen – denn in der Hölle stirbt man nicht. Und die vielen Dämonen haben nur eine Aufgabe: Ungläubige zu foltern und zu bestrafen.
Als der Mann die schwerverletzte Dämonin Chara findet, die von einigen rebellischen Verdammten an einem Baum gekreuzigt wurde, überkommt ihn Mitleid. Er befreit Chara und damit löst er eine sich langsam vollziehende Kettenreaktion aus, die zur letzten Schlacht zwischen Himmel und Hölle, Engel und Dämonen führt ...

Ich sage:
Das war mit Abstand das interessanteste Werk der Fantastik, das ich bisher lesen durfte.
Der Protagonist landet nach seinem Selbstmord in der Hölle, die auf eine bizarre Art und Weise äußerst organisiert und durchdacht ist. Abgesehen von den übliche Qualen, die man in der Hölle durchleben muss, gibt es nebenher auch so etwas wie ein "normales" Leben. Man muss arbeiten, um über die Runden zu kommen. Man kann Ärger bekommen, und man kann sich verlieben.
In diesem Roman gibt es Engel, wie wir sie uns ganz sicher nicht vorstellen, Himmelsboten, die eher an Guerilla-Kämpfer erinnern und Dämonen, die mehr menschliche Züge aufweisen als jede andere Romanfigur (den Protagonisten ausgeschlossen). Andere Rezensionen verwenden gerne das Wort "Blasphemie". Das halte ich persönlich für ein wenig übertrieben, denn es setzt aboluten Gottesglauben voraus, diesen Roman als blasphemisch zu betrachten. Ich gehe davon aus, dass religiöse Fanatiker eher nicht zum Leserkreis gehören.
Nichtsdestotrotz kann ich eine gewisse Kritik an Gott und der Kirche herauslesen, denn in dieser Hölle gibt es keinen Satan, sondern nur den "Schöpfer", der anscheinend geisteskrank genug war, diese Hölle zu erschaffen, in der neben den üblichen Sündern auch die Gottesabtrünnigen und Un- bzw. Andersgläubigen landen.
Die düstere und hoffnungslose Szenerie dieser Hölle wird im wahrsten Sinne des Wortes durch ebenso düstere Zeichnungen untermalt, die alle paar Seiten, immer passend zum jeweiligen Inhalt, auftauchen.
Ich kann mich nicht so richtig dazu überwinden, das Buch toll zu finden. Allerdings habe ich es an zwei Abenden geplättet. Folglich muss es irgendwie doch gut gewesen sein, sonst hätte ich es abgebrochen. Bei Facebook schrieb ich bereits, dass es ähnlich wie bei einem schrecklichen Autounfall ist. Man will eigentlich nicht hinsehen. Es ist schrecklich, und es gehört sich nicht. Man kann aber nicht anders. Man muss es immer wieder tun.
Ein nicht enden wollender Horror, in dem ein Mensch versucht, sich seine Menschlichkeit zu bewahren. Irgendwie auf eine fast perverse Art genial. Besser kann ich es nicht beschreiben. Am besten selber lesen ;-)


Die aktuellste Ausgabe erschien am 17. August 2011, hat 272 Seiten, und ist für 13,95 Euro beim Festa Verlag erhältlich.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Ich schreibe ein Buch, und das hier ist eine Leseprobe

Runde Ecken




Mein Name ist Clementine und dies ist das Ende der Menschheit!

Nein, natürlich ist mein Name nicht Clementine, aber ich wäre ja schön blöd, wenn ich meinen wirklichen Namen hier veröffentlichen würde.
Natürlich ist dies auch nicht das Ende der Menschheit, aber ich finde diesen Satz einfach nur brillant. Es ist der perfekte Satz, um einen richtigen Reißer zu beginnen.

Nehmen wir also an, mein Name wäre Clementine. Wahrscheinlich assoziieren Sie diesen Namen mit ganz bestimmten Dingen. Sie sehen eine rundliche, patente und gutmütig aussehende Frau in einer weißen Latzhose. Ihr Blick ist voller Tatendrang. Nichts und niemand kann sie stoppen. Kein Fleck ist vor ihr sicher. Sie ist der Putzteufel in Person. Und nun stellen Sie sich vor, diese Frau hat ein Drittel ihres Lebens nichts weiter getan, als sich um den Dreck anderer Leute zu kümmern.
Peng!!!
Schon haben Sie ihren Reißer.
Wenn Sie nun denken, eine Putzfrau hätte nichts zu erzählen, dann haben Sie sich gründlich getäuscht. Wer die wirklichen Abgründe der Menschheit studieren möchte, sollte einfach mal ein paar Jahre als Putzfrau arbeiten. Ich denke, man kann damit ein Buch füllen – oder auch zwei.

Eines davon halten Sie gerade in ihren Händen.

Vorher sollten Sie aber einige Warnhinweise beachten.
Es könnte ekelhaft werden.
Es könnte unfassbar werden.
Es könnte ihr Weltbild verändern
(Das ist genau so ein Quatsch wie „das Ende der Menschheit“, aber es klingt toll)
Es könnte lustig werden.


Noch können Sie fliehen. Schmeißen Sie das Buch einfach in die Ecke, wenn Sie es doch nicht lesen wollen. Die Putzfrau kümmert sich schon darum.




Wir sind Helden

Und das meine ich ganz genau so wie es sich anhört.

Natürlich habe ich irgendwann in der Steinzeit einen „vernünftigen“ Beruf erlernt. Und natürlich ging es mir danach wie allen realitätsfremden Frauen, die sich einbilden, es trotz Familie und Kind mal zu etwas zu bringen.
Nach über 5 Jahren Dasein als Mutter, Köchin und Sklavin der Familie kann man seinen Facharbeiterbrief in der Toilette runter spülen. Die Berufserfahrung geht gegen Null, und die fachliche Kompetenz im erlernten Beruf ist veraltet. Also machen wir eben das neu Erlernte zu Geld. Wir führen einen Haushalt, wir putzen, oder um es mit brutaler Ehrlichkeit zu sagen, wir wälzen uns im Rotz der besser gestellten Gesellschaft.
Wenn man sich einmal dazu durchgerungen hat, putzen zu gehen, kann man sich körperlich und geistig damit arrangieren. Es hat sogar den Vorteil, dass man sich die Nägel nicht mehr lackieren muss. Frisch lackierte Nägel halten bei einem Putzjob ungefähr genauso lange wie eine Föhnfrisur in der Autowaschanlage.
Anfangs versucht man noch den Schein zu wahren. Man föhnt sich die Haare, macht sich die Nägel und schminkt sich ein wenig. Immerhin will man ja nicht wie eine Putze aussehen. Nach vier bis fünf Stunden putzen hat man sehr aussagekräftige Vorher- Nachher -Resultate.
Ich erinnere mich sehr gut an einen Tag, an dem ich meine erste längere Putzschicht hinter mir hatte. Den Blick in den Spiegel hätte ich mir besser geschenkt. Mein vor Stunden frisch gewaschenes Haar hing mir strähnig im Gesicht herum. Es hätte nach einem Bad in der Fritteuse nicht besser aussehen können. Die Wimperntusche befand sich irgendwo in Wangenknochenhöhe. Auf den Lippen – Moment mal, waren das etwa Zahnabdruckspuren? Die muss ich mir beim verbissenen Schrubben der Armaturen meines neuen Arbeitgebers selbst beigebracht haben. Mein Shirt hatte dunkle Flecken unter den Achseln und irgendwas Rotes in Brusthöhe (Lieber Gott, lass es Tomatensoße sein!). Auf meiner Jeans hatten sich weiße ausgeblichene Flecken gebildet. Die kamen vermutlich von dem Versuch, das äußerst abartig verdreckte Klo meiner neuen Chef-Familie mit Klorix in einen benutzbaren Zustand zu versetzen. Ein weiterer Blick auf meine ausgefransten Fingernägel warf die Frage auf, ob ich nun putzen war, oder versucht habe, mich mit bloßen Händen aus einem Erdloch in die Freiheit zu graben.
Nach einem solchen Arbeitstag nicht zu kündigen, erfordert wahren Heldenmut.
Am nächsten Tag putzte ich mir die Zähne, kletterte in eine alte Arbeitshose und setze ein Baseballkäppi auf. So viel zum Thema Styling. Das Duschen gehörte ab sofort ans Ende eines Tages und nicht mehr an den Anfang.
Eine Putze opfert ihren Style, ihren Körper, ihre Lieblingsklamotten und ihre Selbstachtung. Deswegen sind wir Helden.