Dienstag, 22. Dezember 2015

Ruf der Dunkelheit







Klappentext:
Weihnachten 1914. Es lauert in den Schützengräben: Eine Macht, die Jahrhunderte im Verborgenen schlummerte, wird durch das zermürbende Kriegstreiben im regendurchtränkten Flandern geweckt. Dunkle Schatten nähern sich den Stellungen der Krauts und Tommys, gefährlicher noch als das Trommelfeuer der Mörser und Haubitzen.
Immer mehr Leichen säumen die Schlachtfelder.



Um es etwas detaillierter als im Klappentext zu formulieren, ohne zu spoilern: Schauplatz ist die Gegend um das Schlachtfeld während des Ersten Weltkriegs. Die Tommys und die Krauts bekämpfen sich bis zum Tod.
Erzählt wird die Story aus zwei Perspektiven. Da ist zum einen Mallory auf der Seite der Briten und zum anderen Walter, einer der deutschen Soldaten.
Abgesehen vom ständigen Regen und der allgegenwärtigen Todesgefahr bergen die Gräben und Bombenkrater eine weitere Gefahr, die sich wie ein Todesschleier über die gesamte Gegend legt. Dazu später noch einige Worte.

Als Leser sieht man sich unverzüglich mit den typischen Gegebenheiten eines Kriegsschauplatzes konfrontiert.
Obwohl dies nicht unbedingt mein bevorzugtes Thema ist, konnte ich mich recht schnell hineinfinden und das für mich ansonsten eher uninteressante Szenario ausblenden.
Dies ist einzig dem Können der beiden Autoren Constantin Dupien und Vincent Voss zu verdanken, die den recht kurzen Roman abwechselnd vorantreiben.

Die düstere, gefährliche und depressive Stimmung an einem solchen Schauplatz noch zu toppen, ist mit Sicherheit kein Kinderspiel. Den beiden Autoren ist es jedoch gelungen, dem Ganzen noch einen Schauereffekt hinzuzufügen.

Mit viel Gefühl und raffinierten Stilmitteln wurde Schritt für Schritt eine Spannung aufgebaut, die es einem eiskalt den Rücken herunterrieseln lässt. Das Grauen steigert sich eher bedächtig. Die beiden Autoren haben sich Zeit gelassen und lassen den Leser ziemlich lange am Spannungshaken zappeln, bis es schließlich zum Showdown kommt.
Damit wären wir wieder bei der anfangs erwähnten Gefahr, die in den Gräben lauert.
Was sich über viele Seiten so grandios und großartig geschrieben aufgebaut hat, wird dann leider am Ende relativ schnell abgehandelt. Der Showdown kommt nicht überraschend, dafür aber eher knapp und stiefmütterlich, hatte ich doch nach einem nervenaufreibenden Ritt wie diesem etwas mehr “Kawumm” erwartet.

Letztlich bekam das, was eigentlich ein Kurzroman ist, das Ende einer typischen Kurzgeschichte verpasst, die den Leser (also mich) etwas unbefriedigt und mit offenen Fragen zurücklässt. Dies führt dann auch zu einem Stern Abzug auf Amazonien. Ich hätte mir für dieses Romanende etwas mehr Durchhaltevermögen seitens der Autoren gewünscht, denn das ging mir schlicht zu schnell.
Trotzdem tröstet mich der insgesamt gelungene Spannungsaufbau über das eher hastige Ende hinweg. Bis zu diesem habe ich mich nämlich ausgesprochen gut unterhalten gefühlt.

Fazit:

“Ruf der Dunkelheit” von Constantin Dupien und Vincent Voss hat alles, was ein düsterer Horrorschmöker braucht. Ein etwas zu kurz geratener Showdown schmälert das Vergnügen ein wenig. Trotzdem: Wer eine großartig geschriebene Spannungslektüre zu schätzen weiß und am eigenen Leib erleben möchte, wie unaussprechliches Grauen einen fest im Griff hat, sollte hier zugreifen.

Freitag, 11. Dezember 2015

Criterion - Die dunkle Stadt, John Asya


Es ist schon dunkel. Jeder hier schläft bereits den Schlaf der Gelangweilten. Nur ich liege noch wach, die Wangen gerötet, nein, nicht vor Scham, denn diese hatte sich bereits nach eingehender Inhalation des Prinzessin-Zyklus leise winselnd verabschiedet. Meine Lesebrille rutscht mir immer wieder von der schweißnassen Nase, als wollte sie sich in die Tiefe stürzen. Die Tiefe, das ist das Buch, welches in meinen fahrigen Händen halte. Dieser unheilige Schmöker ist der Abgrund, der sich Criterion nennt, einer der Zyklen – oder wie ich sie nenne: Scheiße-Universen – die John Aysa einzig erschaffen hat, um uns Leser mit Worten auszupeitschen.



Als ich das Buch schließlich weglege, fühle ich mich positiv geschändet und gleichermaßen überwältigt. Wo nimmt dieser Mann bitte immer diesen Sündenpfuhl abartiger Eloquenz her?

John Aysa beschreibt „Criterion“ auf seiner Homepage folgendermaßen:
„Der Moloch, in dem, ungeahnt vom Großteil der menschliche Bewohner, Geschehnisse vorkommen, die jenseits aller Menschlichkeit liegen. Die Stadt, in der Verbrechen fast immer verhängnisvolle Wendungen nehmen und wo die Dinge sehr rasch außer Kontrolle geraten.
Dieses Buch versammelt die ersten fünf Langerzählungen in einer Collection, vier der Bände sind auch einzeln als eBooks erhältlich. Eine Story – Das Haus am Bamboo Hill – ist brandneu, vier Erzählungen sind Neuveröffentlichungen.“

Giese Geschichten sind in „Criterion“ enthalten:
Am Anfang war die Tat
Expedition
Killer Klown
Das Haus am Bamboo Hill
Ferve der Dreckfresser

Ich beschreibe „Criterion“ so:

Diese Story-Sammlung vereint insgesamt vier der bereits erschienenen Geschichten aus „Am Anfang war die Tat“ und „Ferve der Dreckfresser“ mit einer neuen Story und leitet somit den Einstieg in den Criterion-Zyklus ein.
Dieser wird sich mit einem uralten Vampirclan befassen, welcher – darauf könnt ihr getrost einen lassen – Aysas bisher veröffentlichten Werken unterhaltungstechnisch in nichts nachstehen wird.
Langjährige Fans des Autors werden hier absolut auf ihre Kosten kommen, denn John Aysa bleibt seiner Linie treu und erzählt auf seine individuelle, großartige, rücksichtslose Art von stinkenden Höllenlöchern, abgedrehten Charakteren und moralisch verwerflichen Gelagen aller vorstellbaren (und unvorstellbaren) Extrem-Stufen.
Ganz klar richtet sich seine Schreibe ausschließlich an jene Zielgruppe, die über einen Tümpel voller verwesender undefinierbarer Klumpen nur müde lächelt.
Dennoch bleibt auch hier niemals die Story selbst auf der Strecke. Es gibt eine Menge zu entdecken, und sollte man die Cojones haben, kann man sich auf einen echt durchwachsenen Ritt freuen.
Fazit:

Ich rolle den Ärmel meines Pyjama-Oberteils nach oben und greife beherzt mit der Hand in das stinkende Loch, in welches sich meine beschlagene Lesebrille nun doch noch verabschiedet hat. Meine Finger wühlen in etwas, ich will gar nicht erst wissen, was es ist. Ein grauenvoller Gestank schlägt mir entgegen. Schließlich ertaste ich das Gestell, schließe meine Finger darum und ziehe das vergewaltigte Hilfsmittel mit einem Ruck aus der zähen Suppe heraus. Mit einem ekelerregenden Schmatzen löst sich das gute Stück. Ich falle rücklings auf mein Bett, halte die vollgeschmierte Brille vor meine Brust und lächle, während um mich herum immer noch alle den Schlaf der Gelangweilten schlafen.


Sonntag, 18. Oktober 2015

Schlimmer geht immer! Schwarzer Humor aus der Horrorklinik

Schlimmer geht immer!
Artikelinformation laut Horrorklinik.de:
Humor, schwärzer als ein schwarzes Loch! Bissiger als ein Rudel tollwütiger Piranhas mit ADHS! Klebriger als eine Ölpest! Wer dieses Buch nur aufschlägt, hat seinen Platz im Himmel schon verspielt!

Alle, die von der viel gepriesenen Political Correctness endgültig die Schnauze voll haben, aber sich nicht trauen, über unverhohlene Bösartigkeiten zu lachen, sollten wissen: SCHLIMMER GEHT IMMER!

Der geneigte Betrachter wird in diesem Cartoon-Buch mit einem Potpourri der besten Cartoons des Zeichners Norman Winter konfrontiert. Eine in liebevoller Handarbeit zu Papier gebrachte Melange aus Liebe, Familie, Sex, Tod, Arztbesuchen und Zombies. Derbe? Geschmacklos? Herausfordernd? Unmoralisch? Absolut! Wir laden herzlichst zur Suche nach Tabus in Winters Opus magnum ein. Aber eines ist sicher: eher findet man den heiligen Gral im Magen eines Yetis, der im Peyote-Rausch am Steuer eines UFOs Loopings über Bielefeld dreht!

Mittels der Facebook-Kanäleder HORRORKLINIK besitzen Norman WintersCartoons zur Zeit eine Beitragsreichweite von 4 Millionen – und das liegt gewiss nicht an den subliminalen, bewusstseinsverändernden Botschaften, die in den Comic-Strips versteckt sind! Zumindest nicht nur …

Dieses Comic-Buch ist auf hochwertigem Papier gedruckt und in ein edles Hardcover eingebunden. Auf 64 Seiten finden Sie hier beste Unterhaltung der niederträchtigsten Sorte - genau wie Sie es lieben!

Der neue schwarze Stern am Humorhimmel! Das perfekte Geschenk für alle, die gerne über richtig derben Humor lachen!

Achtung! Nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet. Kann Kleinteile enthalten – Erstickungsgefahr.


Nachdem ich mir auf Facebook immer wieder mal vereinzelte Ausschnitte aus diesem genialen HK-Comic reinziehen durfte, schmückt das gute Stück nun auch mein Regal.
Ich bedanke mich bei Horrorklinik.de für das Lese-Exemplar.
Der Band kommt sehr hochwertig daher und schreit förmlich danach, gesammelt zu werden.
Die schrägen und zudem extrem schwarzhumorigen Comics sind genau nach meinem Geschmack. Zugegeben, das Lesevergnügen ist relativ kurz. Ich hatte den Comic nach einer guten halben Stunde inhaliert und musste immer wieder laut lachen. Evtl. trifft er nicht jedermanns Humor, meinen traf er jedoch direkt ins schwarze Herz.
Die Zeichnungen sind einfach nur genial, die dazugehörigen Texte sowieso.
Ich freue mich auf alle Bände, die da noch kommen werden. Entsprechenden Platz im Regal habe ich dafür bereits reserviert.

Fazit:
„Schlimmer geht immer“ mit Zeichnungen von Norman Winter trifft den morbiden Fan genau da, wo andere Jokes nicht hinkommen: ins düstere, geschmacklose, morbide Horror-Herz.
Absolute Lese- und Sammelempfehlung!

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Montag, 12. Oktober 2015

Ex und Hopp! - Fräulein Jacky D.



Klappentext laut Amazon:
"Nach wenigen Sekunden kommt ein Ping und die Benachrichtigung, dass 6 Männer mich gerne kennenlernen würden. Ich glaube, ich bin in diesem Moment 6 Zentimeter gewachsen. Wie leicht ist das denn bitte? Ich muss jetzt nur noch den Perfektesten raus suchen und fertig.

Chatbenachrichtigung. Ich öffne das Fenster voller Vorfreude. Ich schließe das Fenster und lösche das soeben erhaltene Penisfoto." Nach einer zerbrochenen Beziehung versucht Fräulein Jacky D. sich am Internetdating. Mit der Ausdauer eines schlechten Marathonläufers und der Naivität eines flauschigen Babyhäschens durchschreitet sie mit ihrer Machete die Abgründe der Datingportale. Doch lauert der neue Mr Right wirklich zwischen impotenten Supermännern und stalkenden Familienvätern, oder sollte sie lieber auf den Soldaten/Typen hören, der sie gleich zu Beginn warnt: "Die Kerle bescheißen dich eh alle!"

Heute möchte ich mal einen etwas anderen Horror präsentieren, den Horror der Partnersuche.
Ja, ich gebe zu, ich wurde auf dieses Buch aufmerksam, weil ich mit der Autorin Jacky D. auf Facebook befreundet bin. Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal, dass sie auch Autorin ist. Und dann kam der Tag, an dem sie mit einer Hörprobe für dieses saukomische Buch warb. Ich hörte kurz rein und wusste: Das kaufe ich mir jetzt.
Und ich habe es auch nicht bereut. Von der ersten bis zur letzten Seite bezauberte mich das aus der Ich-Perspektive geschriebene Taschenbuch aufs Höchste.
Der Erzählstil ist locker, wenn nicht sogar flapsig und absolut wie aus dem Leben gegriffen. Es liest sich, als würde das Fräulein Jacky einem gegenüber sitzen und aus dem Nähkästchen plaudern.
Die freche, rotzige und selbstironische Erzählweise ist sowohl unterhaltsam als auch äußerst sympathisch.
Was für eine süße Sau, wirklich!
Mehr als einmal musste ich laut lachen. Leider wurde mir das Buch bereits aus den sterbenden Händen gerissen, deswegen kann ich meinen Lieblingssatz nicht mehr exakt zitieren, aber sinngemäß lautete der etwa so:
Ich versuchte immer noch, mir den rammelnden Hund vom Bein zu schieben.
Sehr geil fand ich auch die Stealth-Einlage beim Abwimmeln eines Verehrers, aber was erzähle ich hier? Am besten kaufen und selbst lesen, denn es ist wirklich ein echtes Spaß-Buch. Ich habe es in nur einer Lesenacht in einem Stück gefressen. Danke für die gute Unterhaltung, Fräulein Jacky!
Einen Abzug gibt es für die leider sehr zahlreichen Fehler in dem Buch. Evtl. schaut noch einmal jemand drüber, sodass es überarbeitet werden kann. Ich drücke die Daumen und wünsche viel Erfolg. Ganz sicher werde ich auch den hoffentlich bald erscheinenden Folgeband verschlingen.

Fazit:
Ich bin fast erstickt vor Lachen, herrlich! Einfach mal nicht alles so eng sehen und dem Humor das Ruder überlassen.

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Dienstag, 22. September 2015

Sagredo - Alexander Drews







Klappentext:
Der junge Botaniker Ilja kommt wegen eines Forschungsauftrages seiner Universität in die abgelegene kastilische Bergstadt Sagredo, wo er die quirlige Studentin Marisol kennenlernt. Sie überredet ihn, gemeinsam mit ihr ein seit Jahren leerstehendes Haus zu erkunden. In der Ruine finden die Zwei ein altes Tagebuch, das in den 70er Jahren von einer jungen Frau geschrieben wurde und plötzlich abbricht. Neugierig versuchen die beiden, mehr über die Verfasserin herauszufinden, stoßen jedoch auf eine Mauer des Schweigens. Niemand will Chilla Campuestas gekannt haben, obwohl sie seit ihrer Geburt in Sagredo gelebt hatte.
Als es unter den Einwohnern Sagredos zu mysteriösen Todesfällen kommt, erkennen Ilja und Marisol, dass sie einem furchtbaren Geheimnis auf der Spur sind, welches die Stadt noch immer im Griff hat - und dass sie nur dann eine Chance haben, dem Wahnsinn zu entkommen, wenn es ihnen rechtzeitig gelingt, die Schatten der Vergangenheit zu vertreiben ...

Alexander Drews war mit zuvor als Autor nicht bekannt. Vor kurzem durfte ich aber seinen neuen Roman lesen, der in absehbarer Zeit bei Amrûn erscheinen wird. Dadurch wurde meine Neugier geschürt, und ich wollte unbedingt wissen, was dieser Autor zuvor veröffentlicht hat.
Dabei stieß ich auf seinen Roman „Sagredo“, welcher von Begedia verlegt wurde.

Inzwischen weiß ich, dass Alexander Drews ein Faible für Spanien und somit für die spanische Geschichte hat. So werden in seinen Romanen die Traditionen, die Politik (die Diktatur Francos) und die Mentalität Spaniens zu lesenswerten Erzählungen verarbeitet, die abseits des Mainstreams auf ganz eigene Weise hervorstechen.

Mit einem angenehmen, nicht ins Alberne abdriftenden Schuss Humor zieht Herr Drews seine Leser direkt ins Geschehen hinein und lässt diese auch bis zum Schluss nicht mehr los.

Aus einem kleinen Abenteuer wird ein großes Geheimnis, aus dem wiederum schleichend ein Abgrund wird, welcher letztlich in einem phantastisch anmutenden Finale gipfelt.

Keine Frage, ich mag diese Kombination aus Geschichte und Spannung. Deswegen hatte ich „Sagedo“ während meines Urlaubs auch an einem einzigen Strandtag restlos aufgefressen.

Fazit:
„Sagredo“ besticht durch lebendige Figuren, große Geheimnisse, fesselnde Spannung und einen guten Schuss spanischer Geschichte. Kein Reißer im „Action-Kracher-Sinn“, kein Splatter, kein Ferkelkram, aber dennoch ausgesprochen unterhaltsam.

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Die Schuld der Engel - L.C. Frey




Klappentext:
Der Leipziger Kommissar Karl Sauer hat Grund zur Freude: Wenige Tage vor seiner Pensionierung gelingt es ihm, seinen letzten Fall in Rekordzeit zu lösen. Doch im Urlaub kommen Sauer Zweifel, und er rollt den brutalen Mord an einem Leipziger Anwalt nochmals auf. Aber damit geraten Sauer und seine junge Kollegin Selina Gülek ins Visier eines eiskalten Psychokillers.
Mit „Schuld der Engel“ von L.C. Frey breche ich erneut mit meiner eigenen Regel: Keine Krimis. Komme, was da wolle, ich lese keine Krimis.

Hin und wieder gibt es aber sogenannte Ausnahme-Autoren, die mich zuvor bereits mit anderen Werken begeistern konnten. In diesem Fall verschlang ich bereits die „Jake Sloburn-Reihe“, „Das Geheimnis von Barton Hall“ und „Draakk“ von L.C. Frey. Da dachte ich, ein Krimi würde mich schon nicht umbringen.

Ich gebe zu, dass ich vermutlich aufgrund dieser Einstellung bereits mit „langen Zähnen“ an die Lektüre herangetreten bin. So tat ich mich zu Anfang etwas schwer und brauchte einige Seiten, um „hineinzukommen“.

Gerade Karl Sauer ging mir auf den ersten Metern mächtig auf den Senkel. Ich empfand ihn als unsympathisch, klischeebehaftet und hätte ihn aufgrund seiner noch klischeebehafteteren Sprüche anfangs am liebsten gegen die sprichwörtliche Wand geklatscht.

Ja, ich tat mich wirklich schwer.

Da ich den Autor aber kenne und genau weiß, was er kann, übte ich mich in Geduld, die schließlich auch belohnt wurde. Er schafft es nämlich irgendwie still und heimlich, diese anfängliche Antipathie in widerstrebende Sympathie umzuwandeln. Man merkt es nicht einmal so richtig, aber irgendwann stellt man fest, dass man Karl Sauer absolut cool findet, ob man will oder nicht. Es passiert einfach, und man kann rein gar nichts dagegen tun.

Auf dieselbe hinterhältige Weise wurde ein Psychopath erschaffen, dessen Abgründe sich so absurd wir spannend gestalten. Man möchte bestimmte Fakten hinterfragen, kann man aber nicht, weil Psychopathen sich schlicht nicht natürlichen Gesetzen unterwerfen. Gerade diese Tatsache wurde m.E. hier gut herausgearbeitet.

Bei L.C. Frey sollte man auf eben auf alles gefasst sein. Dies hat „Schuld der Engel“ in vollem Umfang bewiesen.
Insgesamt hatte ich dann doch noch meinen Spaß, sodass ich diesen Roman gerne weiterempfehle.

Fazit:
„Die „Schuld der Engel“ konnte mich nach einem nicht ganz so fesselnden Anfang schließlich doch noch ans Buch binden. Mit einem guten Händchen für Charaktere und Spannungsaufbau gelang L.C. Frey ein packender Thriller mit „unfreiwillig“ sympathischen Charakteren.

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Nomaden - Michael Schreckenberg




Klappentext:

„Wir hatten die Autobahn schon bei Montabaur verlassen (...) und fuhren nun auf langen, geraden Landstraßen, die links und rechts von Wald gesäumt waren. Laub und Geäst lag auf der einstigen Fahrbahn, das Unterholz an den Rändern war hoch, und überall bahnten sich Pflanzen ihren Weg durch kleinste Durchlässe im Asphalt. Mit unseren brüllenden Motoren waren wir Störenfriede in einer Stille, die wahr und richtig schien. Die Welt hatte begonnen, uns zu vergessen, und es schien mir fast obszön, dass wir uns mit solchem Lärm in Erinnerung brachten.“ Das neue Endzeit-Abenteuer aus der Welt des Erfolgsromans „Der Finder“ erzählt die Abenteuer der Überlebenden, die seinerzeit mit Autos und Motorrädern auf die Reise durch eine leere Welt gingen, nachdem von jetzt auf gleich alle Menschen verschwunden waren. Viel mehr als eine Fortsetzung: Eine ganz eigene, mitreißende Endzeit-Geschichte.

So, seitdem ich vor Jahren durch Krimi & Co. auf „Der Finder“ von Michael Schreckenberg aufmerksam gemacht wurde, bin ich ein Fan dieses Autors.

Schon immer stand ich auf gelungene Endzeit-Szenarien, und „Der Finder“ hatte mich sowohl beeindruckt als auch bestens unterhalten.

Nach langer Zeit des Ausharrens wurde ich schließlich mit einer Fortsetzung belohnt, die mich exakt so begeistern konnte, wie ich es erwartet hatte.

Wieder befinden wir uns in derselben verlassenen Welt, in der sich auch damals schon ein mageres Resttrüppchen Überlebender behaupten musste.

Nun ist es aber nicht so, dass wir diese Gruppe bei weiteren Abenteuern begleiten. Vielmehr gab es „damals“ im ersten Teil eine Spaltung unter den Pionieren der neuen Welt.
„Der Finder“ begleitete einen Teil der Truppe, die sich dazu entschlossen hatte, auf vorhandene Bequemlichkeiten zu verzichten. Nur mit dem, was die Natur und die eigenen Hände erschaffen konnten, sollte eine neue Zivilisation aufgebaut werden.

Die andere Gruppe wollte vorhandene Ressourcen und Vorräte nutzen, um überleben zu können. Um genau diese Menschen geht es in „Nomaden“.
Folglich würde ich diesen Roman auch nicht als Fortsetzung, sondern als Parallel-Erzählung bezeichnen, ein Fakt, der mitunter sogar bemängelt wurde, was mir völlig schleierhaft ist, weil dies im Vorfeld nie ein großes Geheimnis war. Auch hier gilt praktisch: Vor dem Motzen einfach mal informieren. So könnte man falsche Erwartungen gleich im Keim ersticken.
Ich habe exakt das bekommen, was ich erwartet hatte. Schließlich hatte ich mich im ersten Teil schon gefragt, was wohl aus den anderen Menschen geworden sein könnte.

Außerdem stehe ich total auf diese Erkundungstouren in verlassenen Welten. Auch in „Nomaden“ bleibt der Autor wieder „regional“, sodass man gewohnte bzw. bekannte Umgebungen mal auf ganz andere Weise präsentiert bekommt.

Insgesamt bin ich auch dem Schreibstil sehr zugetan. Sowohl dramatische als auch ruhige Szenen wurden anschaulich und unterhaltsam erzählt. Wobei die ruhigeren Parts wegen der allgegenwärtigen Gefahr (die Kreischer, ihr erinnert euch?) schon mal recht gruselig und spannend daherkommen. Natürlich ziehen die Menschen nicht nur sinnlos durch die Gegend, um zu plündern und sich zu versorgen. Vielmehr entwickeln sie sich miteinander und zum Teil auch gegeneinander, sodass unser altbekanntes Apokalypse-Problem nicht das einzige Problem darstellt.

Und dann hätten wir da noch den Ich-Erzähler, meine Lieblingsperspektive.

„Nomaden“ besticht nicht nur durch seine facettenreichen Charaktere in einer atemberaubenden und doch toten Welt, sondern hauptsächlich durch Michael Schreckenbergs unanfechtbares Können, diese Geschichte so zu erzählen, dass es einem die Bettschühchen auszieht. Grandios erzählt!

Einziger Meckerpunkt, der aber nur die Print-Leser betrifft: Die Schrift war mir ein wenig zu winzig. Ohne Lesebrille hatte ich keine Chance. Aber okay, bei über 500 Seiten muss der Verlag halt schauen, dass das Buch nicht zum Ziegelstein wird.

Fazit:
„Nomaden“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger zu „Der Finder“. Großes Endzeit-Kino mit Tiefe und Mitzitter-Garantie. Ich habe es sehr genossen.

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